von BlackFog » Di Okt 28, 2008 07:49
Leise vernahm Black die Musik des Herbstballes, der zugleich als Abschiedsfest für die vier Schüler der Kristallsplitter Akademie diente.
Viel war in den letzten Wochen passiert als Andrios, Estas, Kaila und Athima die Pforten Nightwinds passiert hatten. Zum einen hatten die zwei männlichen Schüler für viele gebrochene Herzen und Streitereien unter den ganzen Mädchen gesorgt und das schien ihnen sogar noch Spaß zu machen.
Zum anderen hatte die Begegnung mit Kaila schmerzhafte Erinnerungen an Metera und alles was damals in dieser widerwärtigen, kalten und mit Blut befleckten Stadt passiert war, geweckt – und da war natürlich der Kampf zwischen beiden Schulen, den Xardas und Black leider verloren hatten und damit eine Wette, die er zumindest eigentlich nur aus Trotz eingegangen war. Ihm war der ‚Preis‘ ziemlich gleichgültig gewesen. Dieser bestand aus Kokoro und Maileen. Sie hatten um die beiden Mädchen gewettet, dass diese mit den Gewinnern den ganzen Abend verbringen und sich von den Verlierern fern halten mussten. Im Grunde für Black keinerlei Problem, da er sowieso kein Interesse an Kokoro oder Maileen hatte.
Dennoch… irgendetwas schien heute Nacht anders zu sein. Er hatte sich sofort nach der Ansprache Akantras auf die höchste Terrasse Nightwinds verzogen, um über sich und das, was ihn von innen her auffraß, nachzudenken. Und er hatte sich sowieso unwohl zwischen all den fröhlichen und tanzenden Schülern gefühlt. Er war sogar aufgefallen, da er zum ersten mal, seit er in Nightwind war, seinen Schal abgelegt hatte, da es sonst zu seinem ziemlich edlen Kostüm, das er sich extra für diesen Anlass besorgt hatte, nicht wirklich stimmig wirken würde.
Seufzend blickte der junge Mann hinauf zum sternenklaren Himmel und betrachtete Lyneros, der abermals in seinem rötlichen Schimmer die Nacht erhellte. Seltsam wie viel einem doch wieder einfiel, wenn man nur anfing sich zu erinnern. So viele schmerzliche Erinnerungen die Black meisterhaft unter Verschluss halten konnte. Doch seit einem Streit, den er mit Kaila geführt hatte und sie ihm alle Geschehnisse in Metera an den Kopf geworfen hatte, war alles wieder ans Tageslicht gebrochen.
Maria… dachte Black plötzlich und ein schmerzliches Gefühl breitete sich in seiner Brust aus. Seltsam… sie war wirklich die einzige Frau, die er begonnen hatte zu mögen. Doch auch wenn er nur für eine Nacht ihr Liebster war, so war er doch zugleich ihr Henker gewesen. Den Kopf in den Nacken legend, schloss er die Augen und ließ sich vom aufkommenden Wind umspielen und genoss die Frische, die er mit sich brachte. Plötzlich schmunzelte der Junge und musste über seine aufkommende ‚sensible‘ Seite leise lachen. Wie anders er doch sein konnte, wenn der Schatten in seinem Inneren schlief, wie viel Zeit er dann doch hatte über alles nachzudenken, was er getan hatte, was er tat und was er vielleicht noch tun würde.
Eins war ihm jedoch klar… Ewig konnte das alles nicht weitergehen. Er musste etwas unternehmen und wie es ihm schien, war dieser Moment jetzt gekommen. Das Bein hebend, um auf das Geländer der Terrasse zu klettern, wurde Black durch ein Räuspern gestört und er setze sein Bein zurück auf den Boden. Missmutig drehte sich der Junge um und erblickte eine ihm bekannte Gestalt, die er jedoch als aller letztes erwartet hatte heute anzutreffen. Vor ihm stand Maileen in all ihrer Pracht! Sie war eine wahre Augenweide, das musste sogar Black zugeben. Sie trug ein grünes Kleid, das in der Mitte gerafft war und am Rücken mit einer Schleife zusammengehalten wurde. Sie hatte es in mühevoller Kleinarbeit selbst geschneidert, da sie nicht das Geld hatte, um sich ein bereits angefertigtes Kleid zu kaufen. Aber im Grunde war sie schöner als die meisten anderen Mädchen, die sich nicht die Mühe gemacht hatten sich selbst etwas zu nähen.
Sie war einfach wunderschön. Doch was wollte sie hier? Sie hielt sich nicht an die Abmachung.
„Willst du dir deine Hose am Geländer ruinieren?“, begann die Elfe schließlich und man konnte ihrer Stimme anhören, dass sie äußerst unsicher war.
„Und du? Warum hältst du dich nicht an die Abmachung?“, entgegnete Black kühl und lehnte sich nun an das Geländer, wenn er schon nicht darauf steigen konnte.
Schweigen legte sich über die zwei Schüler und keiner wagte es irgendwelche Anstalten zu machen, um diese zu durchbrechen. Ein seltsamer Moment. Irgendwie war diese Begegnung ganz anders als sonst.
Friedlicher, ruhiger…
Langsam ging Black das Schweigen auf die Nerven und er setzte an um etwas zu sagen, doch kam ihm Maileen überraschender weise entgegen indem sie auf ihn zu kam. Durch das Kleid schienen all ihre Bewegungen so edel, als wäre sie eigentlich die Tochter eines Königs gewesen.
„Estas ist mit den anderen Mädchen beschäftigt. Ich habe mich einfach gelangweilt!“, erklärte sie Black und kam einige Schritte vor ihm zum Stehen. Man sah ihr an, dass sie nach Worten suchte, irgendetwas wollte sie Black anscheinend mitteilen.
„Was willst du hier?“, platzte der junge Mann schließlich eiskalt heraus und sah die Elfe durchdringend an. Maileen bekam augenblicklich eine Gänsehaut und all der Mut, den sie sich den Weg hinauf zur Terrasse zugesprochen hatte, war auf einen Schlag dahin. „Ich…“, begann sie zögernd und spielte dabei an ihren Samthandschuhen, „ich bin hier, damit du deine Schuld bei mir begleichen kannst…!“ Nun war es raus und ein schwerer Fels fiel ihr vom Herzen aber auch nur um einem Neuen Platz zu machen. Wieder Stille, die wiederum durch das schallende Lachen Blacks durchbrochen wurde. Was war denn nun so lustig? Dachte sich das Mädchen und wurde von Sekunde zu Sekunde unsicherer.
„Ich dachte du wärst intelligenter und würdest dir diese Gelegenheit für etwas Wichtiges aufheben…“, äußerte der Junge seine Meinung und hatte dabei ein gehässiges Grinsen auf den Lippen. „Für mich ist dieser Moment wichtig… etwas besonderes…“, entgegnete Maileen verunsichert und blickte gekränkt zu Boden.
Für einen Moment betrachtete Black die Elfe und irgendwie tat es ihm leid, dass er es abermals geschafft hatte ihr weh zu tun. Seufzend wandte der Junge den Blick von ihr und meinte schließlich: „In Ordnung, was willst du? Soll ich Estas eine Lektion erteilen? Soll ich dir ein paar Ohrringe von einem anderen Mädchen besorgen? Oder willst du einfach nur ein Stück Kuchen vom Buffet?“ Er hätte sich Ohrfeigen können… Warum konnte er nicht einmal ernst bleiben? Und man konnte Maileen in diesem Moment wie ein offenes Buch lesen. Dieses mal hatte er es wirklich übertrieben. Völlig niedergeschlagen sah das Mädchen zu Boden und wagte es nicht mehr aufzublicken. Wieso musste Black immer wieder so kratzbürstig und gemein sein? Sie hatte ihm doch nichts getan. Sie war nur hier her gekommen, da sie ihren Gefallen eingelöst haben wollte und dabei war das noch nicht einmal etwas Schlimmes… „Nichts der Gleichen…“, begann Maileen schließlich leise und hielt inne um nochmals all ihren Mut zusammenzusuchen, der sich in der Zwischenzeit überall verteilt zu haben schien. Mit einem ernsten Blick sah sie immerhin wieder auf und holte tief Luft bevor sie ihren Wunsch äußerte: „Ich möchte, dass du mir einen Tanz schenkst…!“ Nun war es raus… Sie hatte es wirklich getan… sie hatte wirklich ihren Wunsch geäußert. Für einen Moment atmete die Elfe erleichtert auf und wartete gespannt auf die Antwort des jungen Mannes.
Was zum Henker ging hier vor? Wieso wollte dieses Mädchen ausgerechnet einen Tanz? Was sollte ihr das bringen? Im Grunde doch gar nichts. Black verstand ehrlich gesagt die Welt nicht mehr. „Du willst deine Chance auf etwas besseres wirklich mit einem Tanz vertun?“, kam es nicht gerade überzeugt von ihrem Gegenüber und er hob skeptisch die Augenbraue. Maileen nickte nur und hoffte, dass er schließlich darauf eingehen würde. Was konnte sie schon groß dafür, dass sie Fog auf eine Art und Weise mochte. Sie konnte selbst nicht verstehen wieso… aber irgendetwas an ihm sagte ihr, dass er tief im Inneren etwas an sich hatte, das gut war.
Als sie ihn an diesem Abend zum ersten Mal in diesen edlen Kleidern ohne Schal gesehen hatte, war ihr klar, dass sie nur einmal mit ihm tanzen wollte, nur ein einziges mal. Aber so wie es schien, würde er nicht darauf eingehen und somit wollte sie sich kommentarlos umdrehen und so schnell wie möglich verschwinden.
Seufzend streckte BlackFog der Elfe seine rechte Hand entgegen und sah zur Seite. „Wo willst du hin?“, hielt er sie auf. Nun war es bei ihr den nächsten Schritt zu tun.
Überrascht über diese Aufforderung sah sie auf seine Hand und war sich nun nicht mehr so sicher, ob das eine so gute Idee gewesen war. Wieso zögerte sie plötzlich? War es nicht das, was sie schon den ganzen Abend wollte? Jetzt reiß dich zusammen! Zaghaft trat sie näher an Black heran und legte ihre linke Hand in seine Rechte.
Vorsichtig zog er Maileen zu sich und legte seine linke Hand auf ihre Hüfte. Erst jetzt bemerkte er den leichten blumigen Duft, der von ihr ausging und um ehrlich zu sein, gefiel ihm das.
Noch bevor Fog den ersten Schritt machte, legte sie hastig ihre linke Hand auf seine Schulter und schon begann der junge Mann die Elfe zu führen.
Es war als wäre die Zeit stehen geblieben und sich alles nur um die beiden Schüler drehte. Wie zwei verschüchterte Kinder wagten die beiden sich nicht einmal in die Augen zu sehen. Black sah leicht zur Seite während Maileen ihre linke Hand auf seiner Schulter fixierte.
Völlig losgelöst von allem tanzten die beiden und ein warmes Gefühl breitete sich langsam in Black aus. Er kannte dieses Gefühl, er hatte es schon einmal vor einigen Jahren gespürt. Doch hatte es jemanden, den er wirklich gern hatte ins Verderben geführt. Bruchweise überkamen ihn die Erinnerungen an Metera und Maria und er bemerkte wie sich Angst um Maileen ausbreitete. Wenn er etwas ganz sicher nicht wollte, dann war es das, dass die Elfe durch ihn zu Schaden kommen würde. Sie hatte sich damals schon in höchste Gefahr gebracht, als sie sich den Orkschamanen in den Weg gestellt hatte und seine Hand nicht losgelassen hatte, als er über dem Abgrund hing. „Ich werde dich nicht aufgeben...“ hallten ihre Worte in seinem Kopf wieder. Wie ein Brandmahl hatten sie sich in Blacks Kopf gebrannt und er wusste, dass heute die Nacht war, in der die letzten Stunden des Schattens gezählt waren. Maileen hatte ihm wieder den Weg gezeigt, den er schon sooft gehen wollte. Endlich loszukommen vom Parasiten, der ihn von Tag zu Tag immer mehr auffraß.
Immer noch war die Musik vom Festsaal zu hören und Black nahm seine Hand von Maileens Taille und führte sie kurz fort von sich um sie daraufhin mit etwas mehr Schwung, sodass sie aus dem Takt kam und ihm entgegen stolperte, zu sich zurückzuziehen und sie zu küssen.
Der jungen Elfe stockte der Atem und für einen Moment glaubte sie, dass ihr Herz stehen geblieben sei.
Währenddessen hatte sich Estas vom unteren Treiben verabschiedet und war auf der Suche nach seiner Herzdame, die nach Aussagen anderer den Weg zur Terrasse eingeschlagen hatte. Nichts ahnend, dass die Vereinbarung gebrochen wurde.
Noch immer lagen Blacks Lippen auf denen von Maileen und gerade als sie realisierte was wirklich momentan passierte, löste er sich von ihr und beugte sich zu ihrem Ohr.
„Leb wohl…“, flüsterte er hauchzart und ließ die Hand der Elfe los, drehte sich um und sprang mit einem Satz auf das Gelände der Terrasse. Noch einmal tief einatmend schloss Black seine Augen und spürte, wie sich die Energie des Schattens in ihm ausbreitete.
Wie vom Blitz getroffen starrte Maileen ihm nach und sie wusste beim besten Willen nicht, was er vorhatte. Erst als der Junge seine Arme ausbreitete und langsam nach vorne kippte, fiel es ihr wie Schuppen von den Augen.
Derweil hatte Estas sein Ziel erreicht und seine Angebetete mit Black entdeckt und wollte bereits auf den Nebenbuhler losgehen, als er sah, dass dieser auf das Gelände sprang und in den Abgrund stürzte.
Als wären alle Ketten gesprengt worden, die Maileen zurückgehalten hatten, hastete sie zum Gelände und wollte Black aufhalten. Das einzige was sie jedoch zu fassen bekam war Luft.
Jedoch hatte das Mädchen so viel Schwung gehabt, dass sie beinahe selbst über die Brüstung gefallen wäre, wenn sie Estas nicht im letzten Moment zurückgehalten hätte. „Lass mich los verdammt!“, brüllte sie den Elf an und versuchte sich schluchzend von ihm zu lösen. „Ich muss ihn retten…“, wimmerte sie. „Es ist zu spät Maileen!“, versuchte Estas auf sie einzureden und hielt sie weiter fest in seinen Armen. Wie ein geschundenes Tier weinte sie… Wieso ausgerechnet jetzt? Er hatte nur mit diesem Kuss alles offenbart… es gab Hoffnung für ihn… sie wusste, dass sie Black helfen konnte und nun war er fort… auf einen Schlag alles zerstört.
OFF TOPIC: Nein Black ist nicht tot, auch wenn ihr alle das wollt... xD
~Rache, süße ewige Rache~
~Beraubt um das Licht, als wäre ich selbst die Finsternis, tatsächlich bin ich die Finsternis!~