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Konfrontation [Relikt] [Waffenprüfung]

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Konfrontation [Relikt] [Waffenprüfung]

Beitragvon Kokoro Tamashii » Mo Apr 23, 2007 13:31

Bei der nachfolgenden Geschichte handelt es sich um ein Relikt aus der Urversion Nightwinds. Es ist die Waffenprüfung der Userin Shanna, welcher auch alle Rechte an der Geschichte gehören. Ich, Kokoro Tamashii, habe nichts daran verändert, die Geschichte befindet sich im Originalzustand. Das selbe gilt für den Zusatz und die Ergänzung der Geschichte, "Atropas Einträge", welche im zweiten Post zu finden sind.

Konfrontation

An diesem Morgen erwachte Shanna sehr früh. Die Aufregung über den Beginn der Suche nach dem Material, welches sie für das Reifen ihres Bogens benötigte und dessen Namen ihr nicht bekannt gegeben worden war, am heutigen Tage zwang sie schon bei den ersten sichtbaren Sonnenstrahlen aus dem Bett, welches sie eilends machte, ehe sie sich ihre Kleidung, die aus einem weißen Kampfanzug bestand, überzog und das Zimmer verließ. In einem der Flure des alten Gemäuers, in welchem sie nun seit einiger Zeit zur Schule ging, sah sie sich verstohlen nach demjenigen um, mit welchem sie sich an diesem Morgen dort verabredet hatte. Doch noch war es zu früh für ihr Treffen und da Mathias, eben der, nach dem sie sich umsah, noch nicht in der Gegend schien, beschloss sie, sich in den momentan von Schülern und Personal freien Hof zu begeben, um am Schlafplatz von Delirium im nahen Stall etwas zu holen. Das katzenähnliche Wesen war vor einigen Tagen erst aus dem Ei geschlüpft, welches man Shanna überreicht hatte, um ihr, wie jedem der Schüler und Schülerinnen, die eines an sich nehmen wollten, einen Begleiter zu gewähren. Ein Haustier, wie man es auch nennen könnte. Möglicherweise bezweckte man damit, die Gemeinschaft durch uniformes zu stärken oder aber das Verantwortungsgefühl der jungen Studenten und Studentinnen zu fördern, indem man ihnen ein solches Tier anvertraute.

Als die junge Magierschülerin das große Tor, durch welches sie nach draußen gelangen konnte, so geräuschlos wie möglich zu öffnen versuchte, vernahm sie plötzlich das Schlagen von Flügeln hinter sich. Erschrocken fuhr sie herum, wobei sie von der Tür abließ, welche mit gedämpftem Knall zurück ins Schloss fiel.

„Verdammt!“, murmelte Shanna, die fürchtete, dass, des Geräusches wegen, jemand auf sie aufmerksam geworden sein könnte, während sie in der Urheberin des Flügelschlags ihre Elfe ,Atropa Belladonna, erkannte.

„Was fällt dir ein, mich so zu erschrecken, Atropa?“ zischte das 15jährige Mädchen verstimmt, hielt daraufhin den Atem an und presste sich zwischen zwei in die Wand eingelassene Zierdesäulen am Gang, welche momentan das bestmögliche Versteck boten, um in der Stille nach Schritten zu lauschen, welche einen möglichen Ankömmling verrieten. Im Moment wäre es nur lästig, wüsste jemand von ihrem frühmorgendlichen Ausgang, denn es entfernte sie von der Norm und würde somit Fragen aufwerfen, auf die sie sich Antworten würde einfallen lassen müssen, die der Wahrheit nicht entsprachen, aber auch nicht zu abweichend ihrer wirklichen Ziele waren.

Da die nächsten 2 Minuten, in welchen sich Shanna und ihre Elfe Atropa, die dem Vorbild ihrer Bezugsperson folgte, vollkommen ruhig verhielten, nichts verdächtiges zu vernehmen oder zu sehen war, seufzte die junge Magierin schließlich erleichtert auf und zeigte ein grimmiges Lächeln, ehe sie sich abermals an der Türe zu schaffen machte.

Draußen war es noch dunkel. Lediglich die Fackeln, welche spärlich das Innere des Anwesens der Schule beleuchteten, man könnte sie als immerbrennende „Notfalllichter“ bezeichnen, die den Schülern den nächtlichen Gang auf die Toiletten erleichtern sollten, warfen Licht durch die Fenster im Gemäuerflur nach draußen, wo die Bewegungen des Feuers gespenstische Schatten auf den unebenen, mit Kieselsteinen versehenen Boden vor dem Anwesen warfen.

Die hölzerne Stalltür knarrte und schwang schließlich quietschend auf. Einige der dösenden Pferde, welche für gelegentliche Ausritte bereitstanden, damit die Schüler sich von den Anstrengungen des Schulalltags auf Geländeritten oder in der Bahn erholen konnten, sowie etwas Abwechslung genießen oder dem Reitsport interessiert und eifrig lernend folgen, sahen auf. Als sie aber in dem unerwarteten Besucher eine Schülerin erkannten, gaben sie sich wieder dem Dösen hin, wobei sie das Gewicht auf drei ihrer Beine verlagerten und das vierte entlasteten und beachteten Shannas Tun nicht weiter.

Delirium aber, die es sich auf einem der Strohballen unter künstlichem Licht bequem gemacht hatte, welches ihr angenehme Temperaturen und ein Gefühl ähnlich dem, das sie in der schützenden Schale ihres Eis verspürt hatte, bescherte, erwachte bei den ihr bekannten, schleichenden doch impulsiven Schritten der jungen Magierin sofort und vernahm auch kurz darauf den ihr bekannten Geruch. Daraufhin hob sie den Kopf, sah sich um und erblickte tatsächlich Shanna, die vor die eiserne Absperrung getreten war, welche den Teil des behaglichen Lichtes vom Rest des Stalles abgrenzte, da sich dort die Eier und frisch geschlüpften Tiere aufhielten, die von ihren Besitzern nicht vollkommen der Natur entwöhnt werden wollten und daher nicht mit aufs Zimmer genommen und verhätschelt worden waren.

Shanna wollte, dass Delirium zu einer gefährlichen und erbitterten Kämpferin werden sollte, die auch ohne ihre Besitzern überleben konnte.

„Komm, Delirium ...“, befahl die junge Magierin mit sanfter Stimme und das Tier erhob sich, zuerst wiederstrebend, denn es wollte das warme Licht, welches ihm solch wohlige Geborgenheit schenkte, nicht verlassen, dann jedoch entschlossen und verließ stolzen Ganges den Schlafplatz, um freudig um die Beine des Mädchens zu streifen.

Shanna ging in die Hocke, um ihrer Begleiterin durch das weiche Fell zu streicheln: „ Gut so, meine Süße ...“ flüsterte sie lächelnd, schenkte dann, wie zum Ausgleich, auch Atropa ein warmes Lächeln. Mit ihren geschickten Händen machte sich dann die junge Magierin an der unter dem Fell versteckte Schnur um Deliriums Hals zu schaffen, an welcher eine durchsichtige Tüte voll weißem Pulver befestigt war. Nachdem sie die Schnur zerrissen hatte, nahm sie selbige Tüte an sich, erhob sich wieder und wies ihren beiden Vertrauten an, ihr zurück in ihr Zimmer im Schulgebäude zu folgen. Sie ging voran.



Einige wenige Stunden später trat Shanna erneut in den Flur, durch welchen sie zuvor geschritten war. Mathias hatte sich bereits, gelehnt an die Wand gegenüber ihres Zimmers, am Treffpunkt eingefunden. Ein selbstsicheres Grinsen lag auf seinen Zügen.

„Und?“, fragte die junge Magierin ungeduldig , „hast du die Information?“

Der Junge, welcher sich von der Wand gelöst hatte und auf sie zugeschritten war, sah abschätzig auf das gut 3 Jahre jüngere Mädchen hinunter: „Na na na ..“, er schnalzte spöttisch mit der Zunge und streckte eine Hand nach ihr aus, „erst den Stoff!“

Hastig kramte die junge Magierin in einer der Hosentaschen ihres weißen Kampfanzugs, an dessen Hosenbeinen der bräunliche Staub noch von ihrem morgendlichen Ausflug zollte: „Hier!“, sie hielt dem Jungen das kleine, durchsichtige Tütchen in der offenen Hand entgegen, schloss diese jedoch schnell darum, als er danach zu greifen wagte, „aber erst, nachdem du mir gesagt hast, was du rauskriegen konntest!“

Daraufhin begann Mathias zu lachen und mustert Shanna mit gönnerhaftem, fast anerkennendem Blick: „Aha, aha! Ich scheine es ja mit einer ganz ausgefuchsten zu tun zu haben!“, spottete er gutmütig, „aber okay, wie du willst!“, er lehnte sich wieder gegen die Flurwand zurück, wobei sein dichtes, braunes Haar ihm in ungleichmäßigen Strähnen ins Gesicht fiel und die arroganten, grünen Augen verdeckte. Sein blauer Mantel flatterte kurz, schmiegte sich dann aber wieder sanft in den Zwischenraum von Körper und Wand und weilte ruhig. Shanna sah, wie sich die Brust des Schülers bei jedem Atemzug hob und senkte und glaubte an der ungewöhnlichen Schwere seines Atems erkennen zu können, wie nötig er das hatte, was sie in Händen hielt. Daher schloss sie, dass er ebendies mit seiner Arroganz zu vertuschen versuchte. In Wahrheit war sie es – sie! – die die Macht buchstäblich in Händen hielt. Dieser Umstand zauberte ein verächtliches Lächeln auf ihr Gesicht: „Also..?!“

„Ja, gut!“, langsam begannen sich Schweißperlen auf seinem Gesicht zu bilden, während er sich weiterhin um Haltung bemühte, „Du musst in die Berge, dort ist eine Höhle. Du musst aber erst denjenigen finden, der die blauen Pfeile herstellt. Nur er weiß, wo die Höhle ist.“

Shanna verdrehte die Augen: „So viel weiß ich auch schon!“, sie verschenkte die Arme vor der Brust und tappte ungeduldig mit dem rechten Bein auf den Boden.

„Ja, ja, schon klar!“, warf Mathias schnell ein. Er grinste wieder, „Jedenfalls wirst du dein gesamtes Wissen in Sachen Magie gebrauchen .. . Es wird eine Art Prüfung sein, die du zu bewältigen hast und in der du dich dir selbst stellen musst ... deinen Ängsten und so, oder deinen tiefsten seelischen Abgründen!“, kurz zuckte er mit den Schultern, zum Zeichen, dass er dies auch nicht so genau wusste, „ach, und übrigens ... . Das Material, welches du finden musst, ist kein Metall oder Gegenstand oder so, wie bei den Meisten .. oder zumindest nehmen die Meisten so etwas an!“

Langsam öffnete die junge Magierin die Hand mit der Tüte voll weißem Pulver .. .

„Außerdem haben sie dir einige Schwierigkeiten allein schon auf dem Weg eingebaut, um dort zu der Höhle zu kommen. Zumindest habe ich das so verstanden, denn sie sagten, wortwörtlich „nur wenn sie die richtigen Entscheidungen trifft, wird sie das finden, was sie anstrebt“ ... .“, er griff nach dem Tütchen .. .

Die junge Magierin seufzte tief. Sie begann ernsthaft an sich zu zweifeln, ob der Worte des Jungen ihr gegenüber. Sollte es ihr nicht gelingen, das Material zu bekommen, so könnte ihr Bogen niemals zu dem werden, wozu er sich entwickeln sollte .. . Zu einer magischen Waffe. Die Suche nach dem Material entwickelte sich mehr und mehr zu einer Prüfung der Besitzerin, einer Prüfung ihrer Willenskraft, ihrer Begabung und Stärke. Was also würde passieren, wenn sie versagte ..?



Nein! Ich werde es schaffen. Ich muss! Wenn ich versage, verliere ich alles! Diese Prüfung ist der Moment, auf den ich so lange gewartet habe. Sie entscheidet, ob ich meine Waffe einsetzen darf. Nicht nur meinen Bogen, der das Material benötigt, das ich suchen muss. Eine viel mächtigere Waffe. Eine Waffe, die von innen her kommt. Meine Magie!



Mathias hatte sich die Tüte bereits genommen und in eine seiner Manteltaschen gesteckt. Shanna zog ihre Hand zurück. Plötzlich verspürte sie an ihren Beinen etwas herumstreichen. Delirium. Als habe sie die innere Aufgewühltheit, ja, fast schon Verzweiflung in ihrer Vertrauten gespürt, fühlte sich ihre Berührung tröstend und beruhigend an.

„Du solltest nun wirklich losgehen ....!“, riet ihr der Junge, „bis zum Hang darfst du ja reiten ... aber das weißt du sicher!“

„Natürlich!“, murmelte Shanna, ehe sie in ihrem Zimmer verschwand.

Rasch sammelte sie einige Dinge zusammen, von denen sie glaubt, dass sie ihr nützlich werden könnten, wie einige Pflanzen, welche sie am Vortag frisch auf dem Grundstück gepflückt hatte ... . Aber auch einige getrocknete Blütenblätter waren dabei, wie auch ein Seil, zuvor gebraute Tränke, Handschuhe, medizinische Versorgung in Form von Binden, Salben und Ölen, Decken – für den Fall, dass sie irgendwo ein Nachtlager aufschlagen müssten - , Proviant und natürlich ihren Bogen.

Als all dies – mit Ausnahme des Bogens – in ihrem Rucksack verstaut worden war, blickte sie sich im Zimmer um als fragte sie sich, ob sie etwas vergessen habe. Dabei fiel ihr Blick auf Atropa, welche ebenfalls eifrig am Packen war. Die junge Magierin hatte es der Elfe freigestellt, ob sie ihr folgen wollte oder nicht, denn sie wollte nicht für unvorhergesehenes verantwortlich gemacht werden können oder ihre Beziehung zu Atropa gefährden, indem sie sie zu etwas zwang. Dass die Elfe sie trotz allem begleiten würde, lag allerdings so gut wie auf der Hand, denn immerhin hatte sie niemanden außer Shanna und Delirium und fürchtete, durch einen Rückzieher ihre Vertraute und Besitzern im stich zu lassen und in deren Achtung zu fallen.

Auch Delirium würde die Beiden begleiten, tat sie dies auch mehr aus Zuneigung zu ihrer „Ersatzmutter“, denn aus irgendeinem anderen Grund.

Nachdem sie sich den Rucksack umgeschnallt hatte, verließ sie das Zimmer, um aufzubrechen. Delirium strich dicht neben ihrer menschlichen Vertrauten her und Atropa hatte es sich auf deren Rucksack bequemt. Einen Moment lang erfreut sich Shanna der treuen Gefährten, die sie in den Beiden gefunden hatte, denn wahre Freundschaft war ihr nichts selbstverständliches, zumal sie selbst nur den Wenigsten eine wahre Freundin war.

Mit einem Mal stand ein Mitglied der Jin-Gruppe vor ihr. Shanna hatte sie bereits einige Male gesehen, aber namentlich kannte sie sie nicht. Wie sie selbst hatte auch ihr momentanes, allerdings älteres Gegenüber weißes Haar. Ihres allerdings fiel in glatten, langen Strähnen an ihrem Körper herab. Die Augen des Jin-Mädchens waren von roter Farbe und sahen streng auf die junge Magierin herab.

„Shanna?“, fragte es mit ruhiger, seltsam emotionsloser Stimme.

Shanna nickte, sah irritiert und über die Unterbrechung nicht gerade erfreut auf, um der 17Jährigen in die Augen sehen zu können.

Stumm hob diese eine Hand, öffnete diese und zeigte der Aufbruchbereiten eine kleine, durchsichtige Tüte mit pulverisiertem Inhalt, ähnlich der, die Shanna am Morgen Mathias zur Bezahlung geboten hatte.

Trocken schluckend wartete die junge Magierin ab, während das Mädchen ihr gegenüber erklärt: „ Ich habe den Inhalt analysiert.“, und Shanna begriff, dass diese Unterredung eine Konfrontation werden würde, „Und ich glaube kaum, dass Drogenhandel in dieser Schule allzu hoch geschätzt wird.“

Die junge Magierin blickte ihrer Gesprächspartnerin noch immer in die Augen. Es war unschwer zu erkennen, dass ihr deren Gesprächsthema lästig war und sie die Tatsache, dass sie etwas gegen sie in der Hand hatte, nicht unbedingt kalt ließ.

„Was willst du?“, fragte Shanna schließlich mit rauer Stimme.

Ihre Gesprächspartnerin begann leise, trocken zu lachen: „Nichts!“, gab sie amüsiert an, fügte dann, nach einigen wenigen Augenblicken, in welchen Shanna verärgert über die Belustigung auf ihre Kosten den Mund verzogen hatte, hinzu, „Zumindest nichts, worüber du dir im Moment Gedanken machen solltest. Wie ich sehe bist du schwer beschäftigt mit deiner „Waffenprüfung“, der Suche nach dem gewissen Material, das deinen Bogen reifen lässt!“

Shanna nickt wieder, verstimmt.

„Also sollte dir vorerst einfach bekannt sein..“, fuhr das Jin-Mädchen fort, „dass ich etwas gegen dich in der Hand habe!“

„Wer bist du?“

„Aeterna Mortis“

Shanna schürzte die Lippen „Aeterna“ wiederholt sie dann, „und ich nehme an, ich soll etwas für dich tun?!“

Aeterna nickte. Einige Sekunden starrten sich die beiden Mädchen stumm an, als wüssten sie nicht, was sie von der jeweils anderen halten sollten. Schließlich wandte sich das Jin-Mädchen Aeterna Mortis ab uns bedachte Shanna keines weiteren Blickes mehr, welche beschloss, sich um diesen Fall von Erpressung frühestens bei ihrer Rückkehr zu kümmern. Etwas anderes blieb ihr schließlich kaum übrig.



Im Schritttempo ritt sie den staubigen Bergpass hinauf. Ihre katzenähnliche Begleiterin Delirium hatte sich hinter dem Sattel zusammengerollt und döste vor sich hin, während Atropa eines ihrer Bücher wälzte. Shanna selbst achtete auf den Weg, trieb das Pferd zu schnellerem Gang an oder parierte und stieg ab, um eine seltene Pflanze in ihren Beutel aufzunehmen, ein verlorenes Gepäckstück wieder aufzuheben oder ihre Wasserflaschen an einer Quelle frisch aufzufüllen. Die Tage in diesem Monat waren heiß und trocken, die Luft flimmerte vor ihren Augen und der Schweiß perlte von ihrer Stirn.

Gegen Nachmittag legten die drei Gefährten eine Rast ein. Sie machten es sich unter einem Baum im Schatten gemütlich, aßen etwas – allerdings nicht viel, denn es herrschten an die 30°C und der Hunger hielt sich in Grenzen – und die junge Magierin studierte, zusammen mit ihrer Elfe die Karte, welche ihnen den Weg über den Pass weißen sollte. Wohin allerdings genau sie unterwegs waren, wusste noch keiner von ihnen. Sie würden ihr Ziel schon finden ... wenn sie das richtige taten. Wenn Shanna das richtige tat .. .

Als sich das Mädchen gerade zurückgelehnt und für wenige Minuten erschöpft die Augen geschlossen hatte, trat plötzlich jemand vor sie. Sofort öffnete Shanna die Augen wieder.

Vor ihr stand ein Mann, schätzungsweise Anfang der Dreißig. Er hatte hellbraunes Haar und leicht angespitzte Ohren, woran die junge Magierin erkannte, dass es sich um einen Halbelben handeln musste. Seine Kleidung allerdings war zerschlissen vom Marsch durch die Berge und er roch ungewaschen.

Die Arme, welche das Mädchen hinter dem Kopf verschränkt gehabt hatte, wurden heruntergenommen und sie sah den Ankömmling überrascht an.

Dieser verbeugte sich förmlich vor Shanna und hielt ihr ein goldenes, verstaubtes Schmuckstück entgegen: „So viel für dein Pferd!“

Sie schüttelte überrumpelt den Kopf und erhob sich langsam, indem sie sich an den Baum lehnte.

Der Halbelb sah sich nervös über die Schulter, dann wieder Shanna an: „Bitte!“

Verunsichert warf die junge Magierin einen kurzen Blick auf Atropa, welche erwartungsvoll zurücksah. Delirium war derweilen im Schatten des Baumes eingeschlafen. Lediglich ihre Schwanzspitze zuckte gelegentlich.

Als sich der ungeduldige Halbelb abermals umwandt, fragte Shanna: „ Was ist denn eigentlich los? Wirst du verfolgt?“, und auch ihr Blick wanderte in die Richtung, aus welcher der Halbelb gekommen war.

Er nickte heftig: „Ja, ja!“, sagt er, „schon seit Tagen folgen sie mir! Und wie es aussieht, haben sie mich bald erwischt! Dabei habe ich gar nichts getan! Ich bin unschuldig! Der falsche, verstehst du?“

Da er wild gestikuliert hatte, war der Mann nun etwas außer Atem. Shanna verzog die Mundwinkel: „Verstehe! Und du brauchst mein Pferd, um zu entkommen, ja? Leider ist es nicht mein Pferd und ich bin inmitten einer wichtigen Suche .. .“

„Ich bitte euch!“, flehte der Halbelb die junge Magierin an, während er in seiner braunen Umhängetasche krampfhaft nach wertvolleren Gegenständen suchte, welche er ihr hätte anbieten können. Dabei stellte Shanna einen tiefen Schnitt im Handgelenk seiner freien Hand fest, welcher bereits zu eitern begonnen hatte und ihm sicherlich starke Schmerzen zufügte.

Seufzend begab sich Shanna zu dem Pferd, auf welchem sie bis dorther gerinnen war. Sie war sich sicher, dass man verstehen würde, gäbe sie das Tier weg in solch einem Falle ... . Aber würde man sie auch die Prüfung wiederholen lassen? Was, wenn sie ohne das Pferd nicht rechtzeitig ankäme? Vielleicht war das Material nur bei einer bestimmten Konstellation der Sterne und des Mondes bei seinen vollen Kräften?!

Seufzend nahm sie die Zügel wieder auf, welche sie aus der Hand gegeben hatte. Das Pferd graste und war an Ort und stelle geblieben, trotzdem es nicht angebunden gewesen war, was bei den meisten der Freizeitpferde der Schule nichts ungewöhnliches war.

„Wer sind sie?“, fragte sie, „Und wie viele? Warum folgen sie dir?“

„Weil jemand ihre Felder angezündet und Geldbeträge gestohlen hat. Aber das war ich nicht! Man will mir etwas anhängen, ehrlich!“

„Ahja ..“, die Jungmagierin schnalzte mit der Zunge und führte das Pferd näher heran „Und wie viele?“, wiederholte sie ihre Frage.

„Etwa 16!“

„16?!“

„Ja .... 16 bewaffnete Männer ... .“

Shanna schien sich zu wundern „16 Männer um einem Mann zu folgen?“, fragte sie, „und das schon seit Tagen, zu Pferde, ohne, dass sie dich gefasst haben? Und nun brauchst du ausgerechnet mein Pferd?! Du musst das Gelände doch kennen ... es ist steinig und an den Hängen geht es steil abwärts! Galoppieren wäre zu riskant ....“

Der Halbelb nickte. Dann lächelte er leicht: „Das ist allerdings wahr ... . Aber zu Pferd strengt der Weg weniger an und unten, am Fuße des Berges, bin ich ihnen schutzlos ausgeliefert .. . Ich hätte keine Möglichkeit, mich zu verstecken und sie hätten mich nur allzu schnell eingeholt auf freier Strecke .. . „

Daran hatte sie in der Tat nicht gedacht. Shanna nickte leicht, dachte einen Augenblick lang nach, ehe sie zu einem Schluss gekommen schien, ihn wieder ansah.

„Hör zu, ..... .“, begann sie, hielt dann aber inne und fragte, „wie heißt du?“

„Man nennt mich „Arko““

„Okay. Hör zu, Arko ... Ich brauche das Pferd noch, um meine Prüfung zu bestehen. Aber ich könnte dich ein Stück weit mitnehmen. Soweit ich weiß führt ein schmaler Pfad von hier aus dort hinüber ..“, sie deutet in eine Richtung,, die nur ein wenig ihrem eigentlichen Ziel ausweicht, „ und dort gibt es auch ein kleines Dorf. Du bekommst sicherlich ein Pferd!“

„Ehrlich?!“, Arko schien erfreut, „Vielen Dank!“

Es wäre der jungen Magierin unangenehm gewesen, den Mann sich selbst zu überlassen, trotzdem sie ihm gegenüber ein gewisses Misstrauen hegte. Die Schuld, welche sie auf sich laden würde, dachte sie nur an ihre Prüfung und sich selbst wäre vor sich nicht zu vertreten gewesen.

Als die Gelegenheit ihr günstig schien – sie hatte Arko gerade etwas Wasser aus ihrer Flasche angeboten – nahm sie sacht seine linke Hand und sah sich die Wunde genauer an.

„Fesseln!“, gab der Halbelb knapp Auskunft.

Shanna nickte. Daraufhin begab sie sich zu ihrem Rucksack, packte die Dinge ein, welche sie während der Rast um sich her ausgebreitet hatte und entnahm einer Seitentasche, da sie die medizinische Versorgung aufbewahrte, eine Salbe: „Gib mal her, deine Hand!“, sie lächelte leicht.

Arko erwiderte das Lächeln und streckte ihr den Arm entgegen.

Die junge Magierin brauchte die Kräfte der Erde gar nicht erst zu rufen. Sie verspürte das wohlige Kribbeln der Magie, die durch die Blutbahn direkt in die Finger der Hand zu fließen schien, mit welcher sie sorgsam die Salbe auftrug. Die magischen Worte verließen als gemurmelten Singsang ihren Mund und säuberten die Wunde von schmutz und Eiter. Außerdem sollten sie den Heilungsprozess beschleunigen und den Schmerz lindern.

Als Shanna geendet hatte, hob sie den Kopf und bat ihre Elfe, sich für den Aufbruch fertigzumachen.

Nachdem Atropa die katzenähnliche Delirium geweckt hatte und der Rucksack wieder auf Shannas Rücken verschnallt war, rief diese zum Aufbruch und stieg hinter Arko auf den Rücken des Pferdes. Die Karte in der einen Hand lies sich Atropa wieder auf dem Rucksack der jungen Magierin nieder. Da Delirium Auslauf brauchte, trabte diese nebenher.

So vergingen einige Stunden und Arko und Shanna begannen mehr und mehr Bekanntschaft zu schließen und entwickelten sogar eine gewisse Sympathie. Die Jungmagierin hatte sogar zu hoffen gewagt und die Frage gestellt, ob er jener Mann sei, der die blauen Pfeile herzustellen weiß und somit den Eingang zur Höhle kennt, in welcher sie das Material finden sollte. Aber er hatte verneint und interessiert gefragt, wovon sie spräche. Als sich die beiden zur nächsten Rast vom Pferd halfen, jagte Delirium aufgescheucht um sie her und machte das größere Reittier beinahe verrückt. Ihre weißhaarige Besitzerin, der das Verhalten nicht geheuer war, beugte sich neben ihre Begleiterin in die Hocke. Wenige Augenblicke später richtete sie sich wieder auf und sah Arko an: „Sie scheint etwas zu wittern!“

Dann wanderten ihre Augen zu Atropa und sie schickte diese los, um den Weg zurückzufliegen und Nachzusehen, ob ihnen jemand gefolgt sei. Daraufhin ließen sich die beiden Leute gegen eine Steinwand gelehnt am Wegrand nieder und warteten ab.

Als sich Shanna nach einer dreiviertel Stunde schließlich ernsthaft um Atropa zu sorgen begann, war es bereits zu spät. Wie aus dem Nichts tauchten vor ihr und dem Halbelfen eine Gruppe von Männern auf. Zwar nicht zu Pferde, aber an ihrer Zahl erkannte das Mädchen nahezu sofort, dass es sich um die Verfolger Arkos handeln musste. Sie sprang auf die Füße, erblickte kurz darauf Atropa, von der Hand einem der Männer eingeschlossen und zuckte zurück. Der Mann, in dessen Hand die junge Elfe gefangen war, grinste hämisch und fragte die junge Magierin, ob dies „ihre“ Elfe sei, woraufhin Shanna nur mit „Ja!“, zu antworten wusste.

Der Mann wirbelte Atropa durch die Luft und sie fing sich erst nach einigen Sekunden Freiflug wieder vollständig.

Dann bedeutete er seinen Gefolgsleuten – er schien der Anführer -, Arko gefangen zu nehmen.

Wutentbrannt von Ohnmacht und Schuldgefühl fauchte Shanna: „ Lasst das! Dazu habt ihr kein Recht! Das ist Freiheizberaubung. Er ist unschuldig!“

„So?“, lachte der Anführer entzückt. Er trug einen schwarzen Hut und einen Mantel von selbiger Farbe. Die Augen waren, wie das Haar und der Bart, welchen er während des Lachens zupfte, von dunklem Braun., „hat er dir das erzählt, Mädchen?“

Shanna erkannte ihren Irrtum .... . Sie hatte sich lächerlich gemacht, indem sie den Mund zu vorschnell aufgerissen hatte. Nun würde ihr keiner mehr Glauben schenken: „Ähm ... ja!“ stimmte sie wiederwillig zu, hielt jedoch dem bohrenden blick stand, mit welchem sie besehen wurde.

Da sie unverwandt zu dem Mann hinaufsah, bemerkte sie an dessen Rücken bald die befestigten Pfeile von in der Sonne blau schimmernden Licht. Mit einem leichten Kopfnicken deutete sie darauf „Könnt ihr mir sagen ... woher ihr sie habt?“, fragte sie daraufhin unsicher. Der Erfolg ihrer Prüfung erschien ihr selbst in dieser Situation zu verlockend, als dass sie sie sich aus dem Kopf schlagen könnte, und eine Frage kostete generell nichts.

Wieder lachte der Mann, sichtlich erfreut und ausgelassen, den Feind, Arko, endlich gefasst zu haben.

„Klar kann ich, Mädchen!“, sagte er, „aber ich muss erst wissen, wem ich diese Information anvertraue und warum es so interessant für dich ist!“, sein Blick fiel auf den Bogen, den das Mädchen umgeschnallt hatte, „willst wohl auch welche haben, was? Aber es sind magische Pfeile. Dein Bogen ist noch zu schwach!“

Shanna nickte leicht: „Aber bald wird er – hoffentlich – stark genug sein! Und dann werde ich diese Pfeile benötigen, um ihn zu benutzen. Mein Name lautet Shanna .... . Und nun sagt mir – bitte – wo finde ich jenen, welcher ebendiese herstellt?“

„Im nahen Dorf Najoon. Dort kommen wir her – und dorthin reiten wir nun wieder zurück! Unsere Aufgabe ist erledigt!“, bekam sie als Antwort. Die Aufgabe schien das Festnehmen Arkos gewesen zu sein .. .

Da die junge Magierin unsicher zu diesem herüberspäht, dann die Elfe Atropa, welche neben Deliriums Kopf in der Luft schwebte und die 16 Ankömmlinge skeptisch und gekränkt beäugte, mit fragendem Blick bedachtem fügte der Anführer gut gelaunt hinzu: „Du kannst uns gerne begleiten, Mä .. Shanna! Im Dorf zeige ich dir dann, wo es ist, ist ja kein besonders großes Dorf!“

Wieder sah Shanna zu Arko, welcher inzwischen den verzweifelten Versuch, freizukommen, aufgegeben hatte, da er ihm nur schmerz und Unannehmlichkeit bescherte. Sie würde zu seinen Feinden überlaufen, wenn sie mit dem Mann käme, der ihr dieses großzügige Angebot gemacht hatte. Sie würde ihn verraten. Trotzdem sie etwas ähnliches wie Freundschaft geschlossen hatten.

Ihre Schuldgefühle kämpfte Shanna mit dem Wissen nieder, dass er sie auch den ganzen Weg über hätte belogen haben können. Dass sie nicht verpflichtet war ihm zu helfen, da es immerhin sein könnte, er wäre doch schuldig. Da dies alles jedoch vor ihr selbst ihr Handeln noch nicht zu rechtfertigen wusste, tröstete sie sich mit der Gewissheit, dass sie, als Kämpferin für den Halbelben, sowieso auf verlorenem Posten stünde und ihm am ehesten helfen könnte, wenn sie ihre Waffe so schnell wie möglich einsatzfähig hatte als voll ausgereiften, magischen Bogen.

Sie willigte ein, mit den 16 zu kommen.

Die Tatsache, dass sie sich auf die Prüfung freute und am Liebsten Arko sich selbst überlassen hätte um in Ruhe zum Hersteller der blauen Pfeile zu reiten, der ihr dann den Weg zu jener Höhle zeigen sollte, in welcher das Material, das die Jungmagierin brauchte, verborgen lag, verdrängte sie, so gut wie eben möglich.

Dass dies vielleicht bereits Teil der Prüfung war, kam ihr nicht in den Sinn.



Erst am Abend erreichten sie das Dorf Najoon. Der Ritt war nicht lang gewesen und auf die Frage hin, weshalb die 16 dann Arko fast zwei Tage hätten nicht fassen können auf dieser kurzen Strecke bekam sie zur Antwort, dass dieser sie durch das unwegsamste Gelände gehetzt und ab und an die Richtung geändert hatte. Während des gesamten Rittes bedachte der Halbelb Shanna keines Blickes und die Gewissheit um seine Verachtung nagte an der jungen Magierin. Zu gerne hätte sie ihm gesagt, dass sie vorhatte, ihm zu helfen, doch würde er ihr kaum glauben schenken und das Risiko, dass ihr Plan nicht aufginge, da die 16 dann von ihm wüssten, war zu groß.

„Was habt ihr nun mit ihm vor?“, fragte sie beim Absteigen den Anführer, welcher daraufhin meinte: „Wahrscheinlich wird er gehängt werden. Oder ins Exil geschickt. Kommt darauf an, ob er gesteht.“

„Und wenn er tatsächlich unschuldig ist?“

„Dann...“, der Mann trat vor, hielt sein Pferd am Zügel und besah sich den Sonnenuntergang, der den Himmel in blutrotes Licht hüllte, „.. wird er alles verlieren, wofür er all die Jahre gelebt hatte. Familie, Arbeit, Haus und Hof .. . Aber das ist nicht mein Problem. Ich habe lediglich meine Befehle befolgt, ihn zurückzubringen.“, er zuckte mit den Schultern und sah Shanna in die Augen. Für ihn war die Sache somit erledigt.

Die Pferde der 16 wurden abgesattelt und im nahen Stall untergebracht. Auch das Pferd von Shanna durfte sich eine Weile ausruhen und wieder zu Kräften kommen, während der Anführer das Mädchen und deren Elfe zu dem Mann geleitete, der ihm die blauen Pfeile geschmiedet hatte. Auf dem Weg dorthin erfuhr sie von ihm, dass auch er einst eine ähnliche Schule wie sie besucht und die Prüfung abgelegt hatte. Er allerdings hatte sich nicht der Magie verschrieben, sondern war ein Krieger geworden.

Der Mann, der die blauen Pfeile herzustellen wusste, war ein kleiner Mann mit gräulichen Strähnen im kurzgeschnittenen, schwarzen Haar. Sein Bart verdeckte seine Lippen fast vollständig, doch die blauen, strahlenden Augen verrieten, dass er meist ein warmherziger, wenn auch strenger Mann sein musste. Seine Kleidung bestand aus einer braunen Lederschürze, welche er über seinem dunkelblauen Pullover und den grauen Hose trug. Shanna wurde er mit „Archibaldo“ vorgestellt.

Im Inneren des Schuppens, den Archibaldo zu seiner Werkstadt, wie er es nannte, umfunktioniert hatte, hingen an den Wänden die seltsamsten, magischen Gebilde, die meisten davon stellten sich, bei genauerem Betrachten, als Waffen heraus. Ein Amboss war in einer Ecke des Raumes platziert, in welcher auch einige Hufeisenanfertigungen, Hufnägel und die Griffe zweier Schwerter lagen. Als Magier verdiene er nicht genug, denn ein Großteil der Bevölkerung verachtete die Magiergesellschaft und würde nicht zulassen, dass ein Gegenstand magischen Ursprungs in ihrem Haus Platz fände. Erstrecht keine Waffe, erklärte ihr der Hersteller der blauen Pfeile, als er dem interessierten und irritierten Blick der Jungmagierin folgte.

Der Anführer der 16 war inzwischen wieder verschwunden.

„Soso, du willst also zu der Höhle Einlass finden, in der du „Krenechia“ finden sollst?“

„Krenechia?“, Shanna blickte einen Augenblick verdutzt drein, „Ist das der Name des Materials?“

„Ja, ja, genau!“, geschäftig machte sich der Magier daran, während er mit ihr sprach, seinen Schuppen etwas aufzuräumen, „Aber bevor ich dich dorthin schicken kann, musst du mir beweisen, dass du würdig bist, dich auf die Suche zu begeben. Bist du bereit?“

„Ja, Herr“, die Magierstudentin schluckte trocken. Jetzt ging es ums Ganze. Das war der Beginn der Prüfung!

Archibaldo lachte leise auf: „Gut, gut ... . Und bitte, lass das „Herr“ weg!“

„Gut.“, meinte Shanna steif, „Was soll ich tun?“

Atropa war inzwischen herumgeflattert und hatte die Werkstadt des Archibaldo etwas inspiziert. Den ganzen Tag über war sie schweigsam gewesen, schmollte gar ein wenig, da sie sich nach der Zuwendung Shannas sehnte, die ihr sonst selbstverständlich war. Da sie aber wusste, wie wichtig der Erfolg ihrer Suche für die Jungmagierin war und wie viel für diese auf dem Spiel stand, übte sie sich in Geduld und Verständnis.

Nachdem sie fand, dass es genug des Erkundungsfluges durch die Werkstadt war, ließ sich die Elfe auf Shannas rechter Schulter nieder, welche sie allerdings nicht beachtete, da ihr Blick wie gebannt, doch auf seltsame Weise ausdruckslos und leer auf dem Mann vor ihr ruhte.



Als die Beiden, Shanna und Atropa, den Rückweg antraten, war die Dunkelheit bereits seit einer Weile hereingebrochen und die Straßen waren leer. Nur in den Kneipen schien noch Leben eingekehrt, allerdings eine Art von Leben, die die Jungmagierin für sich ablehnte, wenn auch bei anderen akzeptierte. Viele dieser Trunkbolde waren gute Kunden für ihre zweifelhafte Wahre.

„Was will er, dass du tust, ehe er dich in die Höhle vorlässt?“, fragte schließlich Atropa mit hoher, doch ruhiger Elfenstimme.

Die Schülerin sah ihre Elfe an, wozu diese neben ihr geflogen war, damit sie den Kopf nicht allzu sehr verrenken musste: „Ich sollte ihm den ein oder anderen Zauber vorführen. Außerdem muss ich nachher noch Schießübungen zeigen, da er sehen will, ob ich gut genug für einen magischen Bogen bin.“

„Und jetzt holen wir erst mal Delirium?“

Das Mädchen nickte: „Erstens das .. und zweitens wollte ich mit dir sprechen!“

„Warum?“, Atropa schien besorgt aufgrund der bitteren Entschlossenheit ihrer Vertrauten.

„Ganz einfach!“, Shanna richtete den Blick wieder geradeaus, kaute bedächtig an ihren weißlackierten Fingernägeln, „Ich habe das Gefühl, dass das alles zu glatt läuft. Ich lerne diesen Mann kennen, zeige ihm ein paar hiesige Dinge und er ist davon ja achso angetan, dass er mich zu dieser Höhle lässt, wo ich dann dieses .. „Krenechia“ einsammle und wieder verschwinde. Irgendetwas stimmt hier nicht .. . „

„Und dann noch die Sache mit Arko!“

Sie riss die Augen auf: „Verdammt!“, stöhnte Shanna, „Arko. Den hätte ich fast vergessen!“, daraufhin beschleunigte sie ihren Schritt, als wollte sie andeuten, dass sie sich zu beeilen haben.

Die Elfe wirkte überrascht: „Vergessen?“

Mit den Schultern zuckend ging das Mädchen weiterhin ihres Weges: „Es wäre sowieso besser, wenn ich ihm nicht verpflichtet wäre. So kann ich mich nur schlechter auf die Prüfung konzentrieren ... . „

„Du kannst ganz schön kalt sein!“

„Und wenn schon!“



Nach knapp 4 Stunden des Schlafens wurde sie von Delirium geweckt, welche um ihren Körper herumstreifte und sie am Arm zu lecken begonnen hatte. Verschlafen fuhr Shanna hoch, rieb sich den Schlaf aus den Augen. Sie befand sich in der Werkstadt des Mannes Archibaldo, welcher sie ihr zur Verfügung gestellt hatte. Sie wollte bei Anbruch des Tages los, um die Höhle aufzusuchen, deren Standtort ihr der Mann nach Abschluss ihrer Schießübungen bekantgegeben hatte.

Innerlich freute sie sich auf die Herausforderung, wenn ihr auch mulmig zumute war bei dem Gedanken an das Versagen.. .

„Atropa?“

Die Elfe kam herangeflogen, schwirrte um den Kopf ihrer Bezugsperson, sah dieser schließlich in die Augen.

Shanna sah sich kurz um. Das Licht zweier Fackeln beleuchteten spärlich das Innere des Raumes. Draußen war es noch immer stockdunkel.

„Sollen wir schon los?“

Atropa sah sich ebenfalls kurz um: „Ich wüsste nicht, was dagegen spräche .. . Gestern Nacht habe ich noch versucht, ein Bisschen was herauszufinden, weil du ja meintest, es ginge zu einfach. Aber wie ich das sehe, beginnt die Prüfung halt wirklich erst in der Höhle.“

Das Mädchen erhob sich: „Wahrscheinlich. Hast du Hunger?“

„Nein“

„Ich auch nicht!“, sie warf Delirium einige Leckerlies zu, ehe sie sich den Rucksack umschnallte und den Bogen an sich nahm. Die dazugehörigen Pfeile befanden sich im Rucksack und ragten wie kleine Speere hinter dem Kopf der Jungmagierin in die Höhe.

Plötzlich schwang die Türe auf, die die Werkstadt mit dem Hauptgebäude verband. Herein trat Archibaldo. Shanna sah auf: „Was ist los?“

„Die Stadt ... .“, sagte er und schien außer Atem, „es scheint, wegen des Gerichtsentschlusses über Arko einen Aufstand zu geben!“

„Wegen des Beschlusses? Was wurde denn beschlossen? Was?“, mit einem Male war die Magierstudentin hellwach.

„Das weiß ich nicht! Aber es sieht fast so aus, als ob es zum Kampf kommen könnte .. .“

Einen Moment lang wankte Shanna in ihrer Entschlossenheit. Sollte sie in der Stadt bleiben und Arko und dem Ausgang des Geschehens beiwohnen? Vielleicht gäbe es sogar eine Möglichkeit, die Sache friedvoll zu klären ... .

Doch dann blieb sie bei ihrem Entschluss. Trotzdem sie Arko mochte, die Prüfung war momentan wichtiger. Die Entscheidungen und das Leben in Najoon – ob gerecht oder ungerecht – ging sie eigentlich nichts an.

„Ich muss los!“, brach sie daher nach einiger Zeit entschieden das Schweigen.

Der Mann, der in der Tür stehen geblieben war, nickte: „Pass auf dich auf!“

„Und Sie auf sich!“, stimmte sie knapp zu, ehe sie Delirium mit einem Pfiff bedeutete, ihr zu folgen, dann verließ sie, gemeinsam mit ihren beiden Begleitern, den umfunktionierten Schuppen und machte sich auf den Weg.



Die Sonne brannte erbarmungslos auf die Drei herab, welche sich ungeschützt den Bergpfad hinaufkämpften. Hin und wieder wurde das Gelände zu steil und die letzte Etappe mussten sie klettern. Dabei waren Shanna Delirium und Atropa besonders nützlich, da das katzenähnliche Tier, dem das Seil um den Bauch gebunden wurden war, am Besten voran kam und die Elfe in regelmäßigen Abständen, die sie auf dessen Rücken verbracht hatte, das Seil am Berg festmachte, sodass das Mädchen sich daran hochziehen konnte. Natürlich hätte es, ohne das Anwenden von Magie, niemals an der Felswand gehalten.

Schließlich erreichten sie den Höhleneingang. Es war eine unscheinbare Felsspalte, durch die Shanna auf dem Bauch kriechen musste, um hinein zu gelangen. Ohne das Wissen dessen, dass dies hier eben die Höhle war – oder überhaupt eine Höhle war -, hätten die Gefährten sie wohl übersehen und noch Tagelang vergebens in den Bergen nach dem Eingang gesucht.

Nach ihr folgten die beiden Angehörigen der Jungmagierin, deren weißer Kampfanzug inzwischen beschmutzt war und sogar an einigen Stellen kleine Risse aufwies.

Im Inneren der Höhle war es finster und die Luft stickig. Man konnte kaum atmen und die Temperatur betrug, so meinte Shanna, mindestens 40°C. Auch das Vorwärtskommen war beschwerlich und als das letzte bisschen Tageslicht nach einer Weile hinter einer Ecke verschwand, sprach die Jungmagierin einen einfachen Lichtzauber, um sich und ihren Begleiterinnen den Weg zu beleuchten. Das magische Licht schien dem Nichts zu entspringen und enthüllte den Dreien das Innere der Höhle. Die Wände waren aus ungearbeitetem Stein, der grau und nichtssagend einen schmalen Gang säumte, in dessen Boden, wie eine Markierung, schwarz und glänzend ein schmalen Streifen Granit eingelassen worden war. Diesem glaubte die junge Magierin folgen zu sollen, hatte sie doch sonst keinerlei auffälligen Anhaltspunkte. Aber der Gang zweigte nirgends ab, sodass sie sich darüber überhaupt keine Gedanken hätte machen brauchen.

Keuchend kamen sie voran. Delirium, die gelegentlich hustete, lief voraus, Atropa flatterte neben dem Kopf der keuchenden Shanna her, die sich den Ärmel ihres Kampfanzuges vor den Mund hielt, was allerdings wenig gegen die trockene, staubige Luft zu helfen schien.

„Schon scheiße, wenn man nicht weiß, wo man eigentlich letztendlich landet, nicht?“, fragte Shanna ihre Elfe mit sarkastischem Unterton, worauf diese nickend antwortete: „Allzu weit kann es ja nicht mehr sein .... hoffe ich!“, und die Jungmagierin lachte trocken und lustlos auf.

Einige Zeit später, die den Gefährten umso länger vorkam, da diese sich förmlich vorwärts kämpfen mussten, erreichten sie eine Felswand. Der Weg hörte einfach auf. Atropa und Shanna überlegten fieberhaft, ob sie nicht etwas übersehen haben könnten. Einen abzweigenden Pfad, Ritzen im Stein, die ein Durchkommen hätte ermöglichen können oder ähnliches. Aber sie wussten, sie hatten nichts übersehen.

Resigniert lies sich das Mädchen gegen jene Felswand sinken, winkelte die Beine an, schlang die Arme darum und starrte stur und mit leeren Augen zu Boden. Ihre Elfe gesellte sich zu ihr, sagte aber nichts.

Etwa eine viertel stunde später – die junge Magierstudentin hatte Mühe sich wach zu halten und gähnte häufig, der trockenen, stickigen Luft wegen – verlosch plötzlich das magische Licht. Erschrocken fuhr Shanna hoch. Sie hatte es nicht zu löschen beabsichtigt .. . Ob es, ihrer Unaufmerksamkeit wegen, verloschen war?

Doch diese Vermutung sollte sich bald als falsch herausstellen.

Ein gleißendes, bläuliches Licht erstrahlte um sie her. Auch dieses erschien Shanna magisch, denn es fand sich kein Ursprung und beleuchtete den Innenraum der Höhle so gleichmäßig, dass sie mit mulmigem Gefühl im Bauch irritiert zu Atropa hinüberblickte. Diese schien nicht weniger beunruhigt als die Jungmagierin selbst.

„Jetzt geht’s los ...“, raunte das Mädchen, welches sich erhob, ihren beiden Begleiterinnen zu. Die Elfe nickte, während Delirium den Blick einige Augenblicke lang auf Shanna ruhen ließ und ihr somit zu verstehen gab, dass auch sie verstanden hatte. Dann formierten sich die Drei so, dass jeder wachsam eine andere Richtung im Auge behalten konnte und bei Gefahr oder der kleinsten Anzeichen von Bewegung Signal geben konnten. Als nichts geschah und man bereits wieder entspannte, begann die junge Magierin die Felswand, welche zuvor bereits abgesucht worden war und als Sackgasse interpretiert worden war, abermals zu inspizieren. Wieder aber fand sich keinerlei Anhaltspunkt für einen Mechanismus, der einem den Weg freigeben würde oder ein sonstiger Hinweis, was nun weiterhin getan werden musste. Seufzend klopfte Shanna mit den Fingerknöcheln ihrer rechten Hand gegen die Steinplatte. Ein dumpfes Geräusch ertönte und verriet ihr, dass sich dahinter ein Hohlraum befinden musste. Beschämt biss sie sich auf die Lippen. Es ärgerte sie, dass sie zuvor nicht auf die Idee gekommen war zu prüfen, ob dahinter überhaupt etwas lag.

Überzeugt davon, dass es hinter der Felswand weitergehen musste beschloss die ansonsten ratlose Jungmagierin, eben jene Wand gewaltsam entfernen zu müssen. Aus Angst, hinter der Steinplatte etwas zu beschädigen bereitete sie einen Spruch vor, der diese pulverisieren und in sich zusammenfallen lassen sollte. Sich dessen bewusst, dass sie danach erschöpft sein würde, entnahm sie ihrem Rucksack vier Blütenblätter, die sie an den Stellen der Felswand vor sich anbrachte, die das ende der Pulverisierung markieren sollten, verband diese mit einem Kohlestift und bereitete, einige Schritte zurückgetreten mit erhobenen Armen konzentriert den Fluss der Magie vor. Die Tatsache, dass jener jemand, der das bläuliche Licht entfacht hatte – denn von allein entzündet sich, der Logik nach, kein Licht; nicht einmal ein Magisches – sie beobachten musste, versuchte sie aus ihren Gedanken derweil zu verbannen.

„Der Erden Macht sei mein Geleit, in dieser und in jener Zeit. Wohin ich geh’, wo ich weil’ und ruh’, sie steht mir bei, sie steht mir zu. So ich nun kehre in mich, rufe dich, gebrauche dich ...“ murmelte sie mit geschlossenen Augen, wie sie es in der Schule gelernt hatte, um ihre Konzentration zu perfektionieren und den Fluss der Magie einfangen und nutzen zu können, der von ihrem Herzen her den Körper zu Fluten scheint. Ohne die Kraft der Magie richtig spüren und greifen zu können, so weiß jeder Magierstudent, wäre ein jeder Zauber vergebens.

Daraufhin sprach sie, ruhig und betont mit bedachter Gestikulierung die magischen Worte in einer fremden Sprache, die den Teil der Steinplatte nach und nach auch wirklich zum Bröckeln brachte, der zuvor markiert worden war. Zitternd atmete Shanna auf. Während Delirium den sandigen Steinstaub von der Öffnung, die das Mädchen nun geschaffen hatte und durch welche sie höchstens auf Knien würde rutschen können, denn sie hatte ihre Kräfte sinnvoll einteilen wollen und eine größere Öffnung würde sie nicht gebrauchen, scharrte, ruhte sich Shanna ein wenig aus. Sie würde noch einiges mehr leisten müssen, war ihr unlängst klargeworden.

Auf der anderen Seite der Steinplatte befand sich ein runder Raum mit Wänden aus fein geschliffenem, schwarzen Granit, wie auch die Spur am Boden gewesen war, der die drei Gefährten bis zu der Felswand gefolgt waren. Ehrfürchtig sah die Magierstudentin sich um, während sie den Staub von ihrer Kleidung klopfte. Der Raum war zu ihrer Linken vollgestopft mit Büchern. Kein Regal nahm überflüssigen Stauraum in Anspruch, waren sie vom Boden her geordnet aufgestapelt worden. Die meisten davon stellten sich als alte Zauberbücher heraus, aber einige handelten auch von uralten Legenden. Andere wiederum waren Sachbücher von Psychologie bis Kommunikationswissenschaft oder Rhetorik. Dicht neben dem Eingang, da Shanna noch immer stand und sich umsah, zierten Romane die Wand. Hinter den Reihen von Büchern erblickte die Jungmagierin einen Tisch aus dunklem Holz, welcher quer in den Raum gestellt schien. Darauf lagen geordnet Tintenfass und Federn, sowie Papier. Einige der Papiere schienen beschrieben, fein säuberlich und sorgsam. Als die junge Magierin näher trat erkannte sie, dass es ihre Handschrift war. Neben den Papieren und den Schreibutensilien befand sich eine von drei Kerzen, welche flackernd den ansonsten dunklem Raum erleuchteten. Es war Besuchern nicht gestattet, in die Ecken zu spähen oder auf den ersten Blick etwas Konkretes in all dem Wirrwarr von Möbeln und Gebilden auszumachen, zu komplex erschien die Konstruktion und zu verworren, als hätte der Konstrukteur beabsichtigt, dass nicht zu viel preisgegeben werden könne, beschäftigte man sich nicht lange genug damit. Ja, es kam dem Mädchen fast so vor, als reagiere das Zimmer selbst höhnisch und verschlossen auf Eindringlinge. Aber das war absurd. Wie um sich von diesem Gedanken zu befreien, schüttelte sie den Kopf.

Atropa, welche derweil herumgeflattert war, machte die Jungmagierin auf einen anderen Teil des runden Raumes aufmerksam, in welchem, in die Wand eingelassen, ein schlampig gemachtes Bett stand. Auf dem Nachttisch davor brannte die Zweite der drei Kerzen. Nebst der Kerze lagen aufgestapelt getrocknete Pflanzen. Etwas weiter rechts hing das Bild eines Ehepaares, welches Shanna als ihre Eltern zu identifizieren wusste. Überhaupt, so viel ihr jetzt, da sich ihre Augen an das seltsam klamme, gedämpfte Licht gewöhnt hatten, auf, zierten das Zimmer einige Bilder und Gemälde. Die Konturen mancher von ihnen schienen verschwommen, andere klar. An der Wand ihr gegenüber war ein halbhohes Schränkchen aufgebaut, dessen oberste Schublade einen Spalt breit geöffnet war. Eine Kletterpflanze hatte sich ihren Weg daran heraus gebahnt. Die einzelnen Schubladen waren beschriftet mit, wie das Mädchen halb las halb ahnte, den Namen verschiedenster Gifte und Drogen, alphabetisch geordnet.

Ganz rechts, nebst des Loches, welches sich die Jungmagierin zum Einsteigen geschaffen hatte, lichtete sich das Gewirr von Mobiliar und Dunkelheit. Ein seltsames Licht schien diesen Teil des kreisrunden Raumes zu beleuchten, doch wirkte es nicht wie eine rettende, helle Zuflucht. Viel eher verkörperte es Unsicherheit, wie Shanna empfand. Die Konturen der Gegenstände und Bilder in dieser Ecke waren nicht klar zu erfassen, da das Licht zu blenden wusste und alles generell verschwommen schien.

Die Mitte des Raumes zierte ein steinerner Ziehbrunnen, an dessen Rand einige hölzerne Eimer lehnten.

Die Jungmagierin hatte das verwirrende Gefühl, zu Hause zu sein, trotzdem sie wusste, dass nichts von alle dem ihr in irgendeiner Form jeweils als Zimmer oder Behausung gedient hatte.

Sie bemerkte, dass das Blatt Papier, auf welchem sie ihre Handschrift erkannt hatte und welches sie hatte lesen wollen, noch immer vor ihr lag und nahm es zur Hand.



..und ihre Dummheit in Form von Unvernunft und Opferstatus, nur um keine Verantwortung für ihr eigenes Tun übernehmen zu müssen. Diese Rückratlosigkeit stößt mich ab, widert mich geradezu an, denn .....



„Ja .. . Das sind deine Gedanken. Deine Verbitterung.“, jemand war hinter sie getreten und hatte ihr eine kühle, metallisch glänzende Hand von silbernschwarzer Farbe auf die Schulter gelegt, „Wie sehr du dich danach sehnst jemanden um dich zu haben, der dein Bedürfnis nach Ehrlichkeit und Klarheit dir gegenüber erfüllen kann.. .“

Monoton und wie das entfernte Klirren von Metall auf Metall klang die Stimme der Frau, welche Shanna nun hinter sich erblickte. Sie war knappe anderthalb Köpfe größer als die Jungmagierin selbst und ihr gesamter Körper schien aus Stahl zu bestehen, der den schwarzen Glanz der Wände spiegelte und somit selbst schwarz wirkte. Diesen Körper umgab, wie eine Rüstung, Kleidung aus eben jenem selben Metall.

Die Berührung erschien dem Mädchen, trotz der Sanftheit Feindseelig und Enttäuscht und so versuchte es erfolgreich, die Hand von ihrer Schulter zu schütteln. Überrumpelt und verwirrt starrte sie die Frau, welche von ihr mehr zu wissen schien, als es der jungen Magierin selbst recht war, an: „Was soll das hier?“, fragte sie schließlich und sah sich in dem Zimmer demonstrativ nochmals um.

„Ganz einfach .. .“, gab die Frau mit weiterhin melancholischer, trauriger Stimme zurück und machte eine ausladende Geste, „ .. dies hier ist der Spiegel deines Innersten. So sieht es in dir aus ... in deiner Seele! Siehst du, da ....“, die metallische Frau deutete zu den Stapeln von Büchern hinüber.

Shanna schluckte trocken, nickte dann.

„ .. das ist deine Leidenschaft. Zu lernen, Erfahrungen zu sammeln .. , gut dazustehen, die menschliche Psyche – und dich selbst – zu erforschen .. .“, sie zuckte mit den Schultern, „..sachlich und theoretisch. Und dies dort ....“

Der Blick der Jungmagierin richtete sich auf das ihr gezeigte Bild ihrer Eltern, dann auf die anderen Gemälde im Zimmer.

„ ... dies sind die Wesen, die dir etwas bedeuten ... die Einfluss auf dein Leben genommen haben. Oder heutzutage ... die du an dich heran lässt. Es sind nicht viele, nicht wahr ...?“, die starren, leeren Augen der Frau waren auf Shanna gerichtet. Diese wendete den Blick betreten ab: „Ja ...“, antwortete sie. Dann, nach einigen wenigen Augenblicken des Schweigens, ergriff sie wieder das Wort: „Dann bedeutet diese Dunkelheit und Einrichtungsgewirr .. dass ich ...“

„Ja, ganz genau. Du lässt nur wenige an dich heran ... .“

„Und weshalb dann konnte ich hier nicht problemlos eindringen, wenn es doch meins ist ..?“

„Das ist eine gute Frage! Weil du verschlossen bist, nehme ich an .. . So verschlossen, dass du nicht einmal dir selbst den Weg zu deinen Gefühlen gewährst ohne Prüfung .. . Oder da du fürchtest, der Tatsache ins Gesicht blicken zu müssen, dass auch du verwundbar bist ... dass auch du dich berühren lässt. Vielleicht nicht von dem, was die Allgemeinheit Berührt, aber ... .“

Das Mädchen sah zu Boden. Ihr Magen krampfte sich zusammen und sie erschien erschüttert. Weniger darüber, dass sie all dies erfuhr, sondern mehr, so wusste Atropa, dem Umstand wegen, wie sie es erfuhr. Shanna hatte es nun mit jemandem zu tun, der weitaus besser über sie bescheid wusste, da er weitaus unbefangener mit diesem Wissen umzugehen vermochte, als Außenstehender, und erkennen konnte, wo sie was verdrängte. Mit jemandem, der sie zu berechnen wusste. Sie würde sich stellen müssen. Sie würde sich ihrer eigenen Schwächen bewusst werden müssen – dem, was selbst sie berühren konnte.

Die Elfe landete auf ihrer Schulter und schmiegte sich an den Hals der Jungmagierin, der dies tatsächlich Gutzutun schien. Die metallische Frau, welche ebendies bemerkte, lächelte verächtlich: „Glaubst du, du hast so eine Freundin verdient?“

Shanna hob den Kopf: „Wieso?“

„Immerhin ... du bist hier!“

„Na und?“, ihr Blick heftete sich auf Delirium, welche sich unter dem Bett zusammengerollt hatte und die drei aufmerksam von dort aus beäugte, „Immerhin war das meine Aufgabe. Es war meine Aufgabe, hierher zu kommen!“

Die Frau mit dem stählernen Körper begann zu lachen. Ein krächzendes, unschönes Lachen. Es klag so spöttisch in den Ohren der Jungmagierin.

„Wie war das? „..nur um keine Verantwortung für ihr eigenes Tun übernehmen zu müssen. Diese Rückratlosigkeit stößt mich ab, widert mich geradezu an ...“? Bist du denn besser?“

Shanna starrte die Frau verwirrt an: „Bitte was ...?“

Wieder lachte die metallische Frau das spöttische Lachen: „Hast du es noch nicht begriffen? Ich bin Krenechia, ich bin, was du suchst!“

Die Augen des Mädchens weiteten sich vor Fassungslosigkeit. Einen Moment war sie der Fähigkeit des Sprechens beraubt. Auch Atropa schien das Gesagte kaum glauben zu können. Delirium, über den plötzlichen Wandel des Ausdrucks ihrer beiden geliebten Begleiterinnen besorgt, knurrte leise. Doch es sollte noch besser kommen.

„Und, kannst du dir denken, was das für dich bedeutet ...? Worauf ich hinaus will ?“, fast wirkte es, als wäre all dies lediglich ein Spiel für die Frau, die sich selbst als das gesuchte Material Krenechia titulierte.

„Was mein ....“, die Jungmagierin erschauderte. „Soll das heißen .... die Prüfung ... der ganze Weg hierher ... . Akro und Archibaldo ... sie alle ...?“

„Genau! All dies, sie alle, dass war deine Prüfung!“

Shanna holte tief Luft.

„Und willst du wissen, wie du abgeschnitten hast? Miserabel! Kein Mensch, den ich als guten Menschen bezeichnen würde, lässt jene im Sticht, die ihm vertaut haben!“

„Aber ich habe nur getan, was ich tun musste, um hierher zu kommen! Ich sollte meine Prüfung ablegen – oder jedenfalls glaubte ich das -, ansonsten hätte ich keine Chance gehabt, jemals weiter aufzusteigen und weiterzulernen! Ohne das Material – ohne dich – entwickelt sich mein Bogen niemals und ich .... Außerdem hatte ich vor, ihn zu retten .. ehrlich! Nur wie, ohne meinen Bogen und ...“

Krenechia sah Shanna verächtlich und erzürnt an: „Merkst du es denn nicht? Du denkst lediglich an dich und dein eigenes wohl. Natürlich hättest du Akro zu retten versucht. Aber wieso? Hast du dir diese Frage niemals selbst gestellt? Hättest du versucht ihn um seinetwillen zu retten? Weil du Zuneigung zu ihm empfunden hast und es dir leid tat, du es womöglich als Unrecht sahst, was mit ihm geschah? Die Antwort lautet: Nein! Du hättest es getan, um deine eigenen Schuldgefühle nicht ertragen zu müssen!“

Langsam wurde die junge Magierin aggressiv: „Na und? Gerettet ist gerettet!“, schrie sie ihr Gegenüber trotzig an, „und was geht dich das eigentlich an? Nichts! Garnichts geht es dich an!“

„Wie dem auch sei ....“, gab die metallische Frau herablassen an, „ich jedenfalls werde dir nicht freiwillig in die Hände spielen! Weißt du, wofür ich geschaffen wurde?“, sie schnaubte leise und kniff die starren, stählernen Augen zusammen, „Ich wurde geschaffen um für den Tag zu leben, an dem ich mich mit einer Waffe vereinigen sollte und ihr somit die Magie, die in mir ist und die ich all die Jahre über gesammelt und verfeinert habe zu übergeben. Dabei verliere ich mein Bewusstsein, meine Handlungsfreiheit, meine Fähigkeit zu denken ... . Ich werde zu einer Masse zwar magischem, aber totem Material. Ich verliere mein Leben!“

Schrecken und Verständnislosigkeit lagen auf den Zügen der angehenden Magierin. Nein, so hatte sie sich das bei Leibe nicht vorgestellt gehabt. Ihr halbes Leben lang hatte sie es kaum erwarten können, diese Prüfung abzulegen, die ihr die Fähigkeit anerkannte, eine magische Waffe führen zu können. Aber dafür ein Leben nehmen .... . Wenn das der Preis war, den sie dafür zu zahlen hatte .., war er nicht zu hoch? Andererseits, nun war sie bereits bis hierher gekommen. Gab es überhaupt noch ein Zurück?

„Oha ...“, spottete Krenechia, beinahe schon klang es entzückt, „solltest du etwa Mitleid empfinden? Oder Angst? Angst vor der eigenen Schuld?“

„Spinnst du?“, fuhr Shanna sie an , „du bist ein Mittel zum Zweck! Weiter nichts! Du zählst nicht zu den Lebewesen! Du wurdest, wie du selbst sagtest, geschaffen, um dich mit meinem Bogen zu vereinigen. Und ich werde dafür sorgen, dass du dies auch tust!“

„Ich will aber nicht!“

Zähneknirschend gab die Jungmagierin an: „Du musst!“, wobei ihr Gesicht einen grimmigen, gemein fratzenhafte Ausdruck angenommen hatte.

Krenechia blickte Shanna mit vor Zorn und Abscheu zusammengekniffenen Augen an: „Komm und zwing’ mich!“, in ihrer Stimme schwang pure Verachtung mit.

Daraufhin entbrannte ein Kampf zwischen den Beiden.

Shanna war auf die stählerne Krenechia zugestürmt, trotzdem sie nicht gewusst hatte, wie sie diese ihrem Bogen einverleiben sollte, ohne deren Zutun und Wollen.

Diese hatte daraufhin aus der stählernen Scheide an ihrer Rüstung ein metallisch glänzendes Schwert mit scharfer Klinge gezogen, welches die Jungmagierin bei ihrer Musterung Krenechias übersehen haben musste. Ein erneuter Fehler des Mädchens, den sie zu den vielen zählen konnte, die sie an diesem Tage bereits begangen hatte.

Blitzschnell bremste sie ab, wechselte die Richtung, um sich außerhalb der Reichweite des Schwertarmes zu befinden und neu über die Sache nachdenken zu können, ihren nächsten Zug zu planen. Sie musste siegen, so viel war sicher.

An das Bett gedrängt stand sie da, versuchte, ihre Lage zu überdenken. Sie sah sich im Zimmer nach etwas brauchbarem um, erblickte dabei ihren Bogen an die Wand neben den Romanreihen gelehnt und die dazugehörigen Pfeile in ihrem Rucksack, der daneben stand.

Plötzlich begann sich das Bild um sie her zu verzerren und zu drehen. Sie schloss die Augen, denn sie fürchtete, den Halt unter den Füssen zu verlieren oder sich übergeben zu müssen, wenn sie diesem Anblick von Unsicherheit und Angst noch weiter ausgesetzt wäre. Als sie schließlich die Augen wieder öffnete, sich an der glatten Oberfläche der Wand krampfhaft festzuhalten suchte, stand sie in einem leeren, runden Raum. Demselben Raum, in dem sie bis eben auch schon gestanden hatte, nur die Einrichtung war verschwunden. Die Einrichtung und auch die Steinplatte, die den Eingang versperrt hatte. Allmählich begann das Mädchen zu verstehen, was all die seltsamen Gegenstände und Gebilde zu bedeuten hatten .. was sie symbolisierten. Aber jetzt war keine Zeit für Erleuchtung.

Das Mädchen hechtete auf die Öffnung zu, die den runden Raum vom Höhlengang trennten. Krenechia hielt sie nicht auf. Womöglich meinte sie, Shanna wollte fliehen. Aber das war nicht ihr Ziel. Mit geschickten Fingern hob sie ihren Bogen, krallte sich einen Pfeil und legte ihn ein. Kurz darauf flog das erste Geschoss der Jungmagierin auf die Frau zu, die in den Augen des Mädchens mehr Gegenstand denn Person zu sein schien. Diese wurde an der metallischen Schulter getroffen. Der Pfeil bohrte sich millimetertief in deren Körper, fiel daraufhin zu Boden und hinterließ ein kleines, unscheinbares Loch. Etwas anderes, als die Wut der stählernen Figur zu erregen, welche daraufhin einen Angriff auf Shanna startete, dem die allerdings mit Müh und Not auszuweichen wusste, erreichte sie nicht.

Dies aber hielt Krenechia nicht lange auf und schon startete sie die nächste Attacke auf das linke Bein der Magierin. Der Treffer saß und die Magierin knickte stöhnend zusammen. Ob es nun das Adrenalin war, das ihren Körper flutete und sie den Schmerz kaum spüren ließ, die Verärgerung über ihre eigene Unzulänglichkeit und die Amateurfehler, die sie an diesem Tage begangen hatte ohne zu bemerken, welches Spiel man mit ihr trieb oder ihr eiserner Wille, ihre fanatische Fixierung auf ihr Ziel, in jedem Fall stand sie wieder auf. Erneut spannte sie den Bogen, zielte und schoss – ins Leere. Ihr Körper begann zu zittern von der Anstrengung und da die metallisch glänzende Frau mit ihrem Kurzschwert um einiges wendiger war in dem kleinen Raum als Shanna mit dem Bogen, einer Distanzwaffe, landete sie ein paar mehr Treffer, wodurch das Mädchen zunehmend an Blut verlor.

Bereits nur noch darauf aus, die Schwerthiebe abzuwehren, setzte sie ihren Bogen als Schutzschild ein und fragte sich, wie lange sie würde durchhalten können, als Atropa sich in das Geschehen einmischte. Sie beschwor eine Pflanzenranke, welche sich durch den Granit kämpfte und die Füße Krenechias fesselte, womit diese in ihrer Bewegungsfreiheit beträchtlich eingeschränkt wurde.

Die Jungmagierin schenkte der Elfe einen anerkennenden, bewundernden Blick, worauf diese mit einer stummen Aufforderung antwortete – und Shanna witterte ihre Chance.

Sie musste sich darauf verlassen, dass ihre Freundin Atropa lange genug durchhalten würde, sodass sie selbst einen Spruch vorbereiten könnte, der Krenechia ihres Willens beraubte.

Abermals die Arme vor sich erhoben, murmelte sie den Elementar-Zauber, der sie befähigte, die Magie fließen und greifen zu lassen und ihre Konzentration um ein Vielfaches zu erhöhen. Daraufhin verließ auch ein weiterer Spruch, gesprochen in einer fremden Sprache, den Mund der jungen Magierin.

Krenechia, welche sich bis dahin heftig gegen ihre fesseln gewehrt hatte und es mit ihrem Schwert auch beinahe geschafft hätte, sich freizukämpfen, wurde von diesem zweiten Zauberspruch erfasst. Fast sofort war jedwede Willenskraft in ihr erloschen, einzig ein schwaches Glimmen in ihren ansonsten leeren, stählernen Augen zeugte noch von ihrem heftigen Wiederstand.

Die Magierin befahl Krenechia, sich mit dem Bogen zu verbinden, woraufhin diese, nach kurzem Zögern, das nochmals all ihre Willenskraft aufbrauchte, wortlos gehorchte.

Shanna seufzte tief ... .



Ihre Wunden waren verbunden worden. Das Dorf Najoon hatte die Geprüfte als Gast empfangen und sie versorgt, außerdem ihr Pferd während ihrer Abwesenheit in Gewahrsam genommen und gepflegt. Allerdings sprach kaum einer ein herzliches Wort mit ihr und sie wusste, dass diese Leute ihr mit Argwohn und Misstrauen gegenüberstanden. Ohne Delirium, die sich auf dem Schoß des verletzten Mädchens zusammengerollt hatte und Atropa, die gemeinsam mit ihr Rastete und Speiste, unter selbigem Baum, da sie Arko das erste Mal getroffen hatten – sie hatte sich diesen Platz gewählt, als wolle sie sich selbst mit der Erinnerung an diese Begegnung und ihre Verantwortungslosigkeit strafen und disziplinieren – wäre dieses Gefühl von Ausgestoßen seins für die Jungmagierin wohl nur halb so gut zu ertragen gewesen.

Dicht neben sich, in greifbarer Nähe, lag der entwickelte Bogen auf der trockenen, staubigen Erde. Shanna erinnerte sich genau daran, wie er zu glühen begonnen hatte und sie vor Überraschung und da sie geblendet war die Augen fest zugekniffen hatte. Als sie sie wieder zu öffnen gewagt hatte, befand sich in ihrer ausgestreckten Hand, die eben noch den ursprünglichen Bogen gehalten hatte, eine neue, feinere Waffe.

Die Sehne war gut gespannt, fest und elastisch. Der Bogen war reich verziert mit bläulichviolettem Stein und lag gut in der Hand. Fast zeitgleich mit der Musterung hatte die staunende Magierin das seichte, beruhigende Kribbeln in der Handfläche gespürt, welches darauf hindeutete, dass die Waffe nun magischen Ursprunges war. Erschöpft war das Mädchen daraufhin zusammengesunken und Delirium war auf sie zugeeilt, um ihr emotionalen Beistand zu leisten, während Atropa vor Erschöpfung in einen ohnmachtähnlichen, jedoch unruhigen Schlaf gefallen war und auf dem schwarzen Granitboden geruht hatte.

Nebst dem Bogen, strahlend von der Sonne beleuchtet, lagen gut sechs blaue Pfeile. Archiebaldo hatte sie ihr angefertigt und übergeben. Die anfängliche Freundlichkeit des Mannes hatte sich in kühle Strenge verwandelt.

„Eine Ausgestoßene ...“, lächelte die Jungmagierin traurig, doch mit gewissem Stolz und Würde in der Stimme, „nicht aus ihrer Gesellschaft ... nur aus ihren Herzen!“

Atropa, die neben ihrem Kopf geflattert war, nickte leicht: „ Ja ... aber dennoch nicht einsam!“

Das katzenähnliche Tier auf Shannas Schoß hob den Kopf und schnurrte ihre Zustimmung. Auch sie hatte verstanden. Verstanden .. und bald würde auch sie des Sprechens befähigt sein. Nicht durch den Mund, sondern per Telephatie. Es würde einige Zeit des Trainings kosten, bis die beiden – und auch Atropa – so aufeinander eingespielt wären, dass sie die Botschaften verstanden, denn der Sinn Deliriums Botschaft würde nicht in Form von Worten, sondern von Wissen in die Köpfe der Beiden gelangen. Wissen, das nur entschlüsseln, auf das nur zugreifen können würde jene, welche auf das Tier eingestimmt sein würden.

Sacht lies sie sich gegen den Stamm hinter sich sinken und nickte leicht, dankbar schmunzelnd: „Nein ... nicht einsam!“, stimmte sie zu. Dann fiel ihr Blick wieder auf den Bogen und abermals erinnerte sie sich an Krenechia – die stählerne Frau -, der sie das Lebe
Die Feder ist mein Schwert, die Worte meine Magie!


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Atropas Einträge

Beitragvon Kokoro Tamashii » Mo Apr 23, 2007 13:36

Atropa Belladonna und ich saßen noch bis in die Abendstunden unter selbigem Baum, da ich Arko erstmals getroffen hatte. Dass er ein Teil meiner Prüfung gewesen war .. wer hätte das gedacht?

Natürlich!

Jeder Trottel hätte das anzunehmen gewusst!

Aber es würde mir eine Lehre sein, meinen Blick nicht zu sehr zu versteifen. Am Geschehenen ist nichts mehr zu ändern, was aber nicht heißen muss, dass ich in Gram versinke und meine vergangenen Fehler die der Gegenwart rechtfertigen.

Wenn ich schon, was geschehen ist, nicht ändern kann, will ich wenigstens daraus lernen und das geht nicht, wenn ich davor die Augen verschließe. Daher betrachte ich all dies mit größtem Interesse und versuche herauszufinden, was – und ob – vieles davon von entscheidender Aussagekraft ist.

Vor allem aber die Interpretation der Einrichtungsgegenstände meines „Zimmers der Seele“, wie Atropa es zu nennen pflegt, haben höchste Priorität festgehalten zu werden, weshalb ich die Einträge Atropas hier abgeschrieben und – natürlich gemeinsam mit ihr – ergänzt habe.



Die Steinplatte: Keinerlei Eindringlinge hindurchlassend stellt sie symbolisch die Distanzierung dar, den Selbstschutz, der Shanna vor jenen behütet, welche nicht mit der Macht umzugehen wüssten, die sie ihnen über sich gibt, wenn sie sich öffnet.

Auch sie selbst konnte nicht ohne Prüfung eindringen. (Womöglich aus Angst, auch sie selbst könnte mit dem, was sie zu sehen bekäme, nicht recht umzugehen wissen .. gar Abscheu oder Verachtung empfinden .. )



Die Bücher:
Hauptsächlich Zauberbücher, allerdings auch solche von Psychologie, Kommunikationswissenschaft bzw. Rhetorik und Romane. Wie Krenechia erwähnte, handelt es sich dabei um die Leidenschaft Shannas. Um das Ansammeln von Wissen – und Macht. Die Macht, sich profilieren zu können, Zusammenhänge zu erfassen, auch was zwischenmenschliches betrifft, und nicht zuletzt die praktische Macht der Anwendung der magischen Künste. Über den Charakter vermag dies auszusagen, dass sie Zielorientiert und sauber arbeitet, ihr Ergeiz sie antreibt nicht auf der Stelle zu treten oder zurück zu sehen und wenn doch, dann nur, um daraus zu lernen.



Schreibtisch:
Darauf lagen aufgereiht ein Tintenfass und Federn verschiedener Stärken, sowie fein sorgsam aufgestapeltes Papier auf zwei Stapeln. Der eine zeugte von unbeschmutzten, leeren Blättern, die des anderen waren bereits beschrieben und trugen Shannas Handschrift.

Unbeschriebenes stand für den Fortlauf der Zeit, dafür, dass ihre Zukunft von Shannas eigenen Entscheidungen, den daraus gründenden Erlebnissen und ihrer Auffassung dieser, welche zu neuen Entscheidungen führt, geprägt werden würde. Beschriebenes hingegen zeigte die unabänderbare Vergangenheit und die daraus folgenden Gedankengänge und Charakterzüge, welche das Mädchen im Laufe ihres Lebens angenommen hatte.

Auch zeigt dies auf, dass sie selbst sich und ihr Verhalten zu durchleuchten und zu reflektieren sucht, findet die Getriebenheit, der scheinbar unstillbare Durst nach Wahrheit, Gewissheit, Überlegenheit und Weiterentwicklung.



Das Bett: Schlampig gemacht zeigt es, dass die junge Magierin nicht mehr Zeit als unbedingt nötig mit Rasten und Ruhen verbringt. Auch symbolisiert es das Unterbewusste – schlafende -, dass Shanna, die sich und ihre Abgründe kennenlernen und erkunden will, ständig zu durchwühlen und durchforsten versucht.



Nachttisch:
Auf ihm befindlich liegen getrocknete Pflanzen nebst einer Kerze. Diese Pflanzen mögen im allgemeinen darauf hinweisen, dass sie, die sie ein erdverbundenes Individuum ist, mit der Kräuterkunde und der damit verbundenen Wirkungsweise der verschiedenen Gewächse auf den Organismus vertraut ist. Die Kerze hingegen verdeutlicht wiedereinmal den Drang Shannas, Licht ins Dunkel ihrer Empfindungen und Gedankengänge zu bringen und herauszufinden weshalb sie tut was sie tut, denkt wie sie denkt, ist wie sie ist.



Die Gemälde: Sie zeigen die Menschen und Wesen, welche Shanna etwas bedeuten. Da sie diese nicht in ihren Besitz bringen kann, sind sie doch selbst vernunftbegabte, bewusste Wesen, sich aber von ihnen zwangsläufig Prägen lässt, da diese wenigen abgebildeten Personen ihr Gehör und – zum Teil – ihre Zuneigung haben, zeigen sich im Zimmer Shannas Seele ihre Abbilder in dieser Form.

Die Konturen mancher abgebildeten Individuen waren verschwommen .. . Möglicherweise, da diese in Vergessenheit geraten waren, ihre Prägung nie vollständig ausgereift war oder langsam nachlässt .. .



Kommode:
Eine Art halbhohes Regal mit etwa sechs Schubladen. Die erste war ein wenig geöffnet und eine Kletterpflanze hatte sich ihren Weg daraus gebahnt, als wenn das heißen sollte, dass diese Sache nur allzu leicht außer Kontrolle geraten könnte, sich verselbstständigen könnte, wenn Shanna nicht aufpasst. Jede der Schubladen war beklebt mit einem Klebestreifen, auf welchem die Namen von den verschiedensten Giften und Drogen aufgelistet standen, alphabetisch geordnet.

Dies stellt wohl die dunkle Seite der Dealerin dar, welche Gefallen an der Überlegenheit der Unabhängigkeit über die Süchtigen findet und Gefallen daran hat, sich in Punkto Kräuterkunde und Giften weiterzubilden. Wie sehr dieser Teil in ihrem Leben platzgefunden hat erkennt man wohl daran, dass die Kommode nahtlos in ihre Umgebung eingefügt scheint.



Ziehbrunnen: In der Mitte des Raumes aufgestellt symbolisiert er sicherlich die Tiefe Shannas Charakter. Dass sie kein oberflächliches oder unvernünftiges Mädchen ist, mag jenen klar sein, welche mit ihr zu tun haben und mit den Methoden ihrer einigermaßen vertraut sind.

An den Brunnen gelehnt befinden sich mehrere Eimer, die für die Personen stehen, die von ihrer Art profitieren bzw. buchstäblich von ihr Schöpfen können. Da es nur einige wenige sind, kann daraus wohl geschlossen werden, dass Shanna selbst entscheidet, wen sie an sich heranlässt und wer Einfluss auf sie hat. Zumindest zumeist.



Kerzen:
Drei davon zieren den gesamten Raum und beleuchten bestimmte Punkte von ihm. Das spärliche Licht hat zu bedeuten, dass nicht jedwedem, wirklich nur jenen, die wissen, wo sie danach suchen müssen, zu sehen bekommen sollen, was für Shanna gefährlich werden könnte.



Die Dunkelheit: Das Dunkel im Zimmer weißt darauf hin, dass es sich bei dem Mädchen um ein verschwiegenes, bedachtes und eigenbrötlerisches Individuum handelt. Sie will nicht, dass jemand, der selbige ausnutzen würde oder jemand, den sie nicht zu achten weiß, Macht über sie hat und respektiert nur wenige. Nämlich jene, die sie und ihr Tun zu „verstehen“ wissen. Es ist eine Art Prüfung.. .



Das Licht: Rechts neben dem Einstiegsloch, welches Shanna gezaubert hatte, lichtet sich der Raum und die Konturen der Gegenstände und Gemälde verschwimmen. Dies symbolisiert die Zukunft, durch welche das Zimmer weiterhin geformt werden wird. Die wagen Andeutungen der Gegenstände zollten von den ungefähren Vorstellungen der Jungmagierin. Das helle, unheimliche Licht, welches blenden und ängstigen vermag, stellt die Formbarkeit und Haltlosigkeit des Unbekannten, zukünftigen, dar.



Natürlich wird die Zeit zeigen, was und ob meine – unsere – Interpretationen richtig waren. Doch gehe ich stark davon aus. Was immer hier aufgeführt wurde sind reine Vermutungen! Im Moment allerdings erscheinen sie mir sehr realistisch und ich werde mich nach ihnen richten. In der Tat habe ich auf dieser Suche sehr viel demütigendes erlebt und zwangsläufig Dinge angeschaut, welche ich zu verdrängen versucht hatte. Sicherlich war dieses Erlebnis ein Wichtiges ... . Denn es heißt schließlich auch:“ Hochmut kommt vor dem Fall!“ Aber heißt es nicht auch:“ Man muss ganz unten gewesen sein um oben zu bestehen ?“

Will ich nach oben?



(c) by Shanna
Die Feder ist mein Schwert, die Worte meine Magie!


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Kokoro Tamashii
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