von BlackFog » So Nov 18, 2007 19:45
1. Kapitel
-Aufbruch-
Seltsam wie ruhig es in Nightwind doch sein konnte, sobald einer der Streithähne nicht mehr in der näheren Umgebung war. Seit knapp vier Tagen waren nun Xardas und Kokoro unterwegs, um einen kleinen, äußerst wertvollen und magischen Talisman in ein Dorf zu bringen. Seit dem sie fort waren hatte wiederum BlackFog niemanden zum Streiten, da er sich mit den anderen so gut wie nie abgab und nur hier und da wen anpöbelte, aber niemals in einen richtigen Streit überging. Anscheinend machte es dem Jungen nur mit Xardas Spaß, was wiederum darauf hinwies, dass er seinen Mitbewohner als eine Art Freund ansah.
Still und friedlich lebte jeder in seinen Tag hinein und erfreute sich, ohne Sorgen, am strahlenden Sonnenschein. Es war Sommer und einfach perfekt um im Garten der Schule zu lernen.
Mit einem kleinen Liedchen auf den Lippen, trällerte Maileen leise vor sich hin und war gerade dabei sich die Grundkenntnisse der Kräuterlehre einzubläuen. Immerhin standen in ein paar Monaten wichtige Prüfungen an, bei denen sie sicher nicht durchfallen wollte. Dieses mal hatte sie es sich im Schatten eines Baumes gemütlich gemacht, da es sich so besser lernen ließ, als wenn sie sich in die pralle Sonne begeben hätte. Vertieft in ihre Studien, wurde sie urplötzlich von einem lauten ‚plumps‘ aus ihrer Gedankenwelt gerissen und verwundert starrte die Elfe von ihren Büchern auf.
Stocksteif wie ein Holzbrett lag BlackFog mit dem Gesicht zum Boden gewandt im Gras und hatte wie so oft, nach seinen unerlaubten Streifzügen durch die Umgebung, einige Blessuren davongetragen.
Maileen fragte sich stets, wo sich dieser Bauerntölpel eigentlich immer herumtrieb und manchmal sogar für eine Woche verschwand. Doch heute musste sie ihre Neugier zügeln, da sie sich fest vorgenommen hatte zu lernen… somit hieß es den Jungen einfach ignorieren und schlafen lassen. Das tat er nämlich jedesmal wenn er wieder nach Hause kam. Seltsam überhaupt, dass er sich gerade bei Maileen schlafen legte. Auch wenn sie sich meist nur in der Wolle hatten, so verstand er sich am ehesten mit ihr, dies bezog sich ebenfalls auf Xardas und Kokoro. Man konnte diesen Jungen wirklich nicht verstehen. Weiter lag der Junge regungslos da und schien wie tot zu sein. Etwas verunsichert schielte Maileen von ihrem Buch auf und betrachtete Black. Irgendwie schien er doch etwas zu ruhig zu sein und natürlich siegte die Neugier in dem Mädchen.
„Hey… Fog, alles in Ordnung?“, fragte sie schließlich ein wenig besorgt, legte das Buch beiseite, dass sie im Schoß liegen hatte und beugte sich zu dem anscheinend Schlafenden vor und wollte ihn mit der Hand an der Schulter etwas schütteln. Doch bevor sie ihn berühren konnte, schnellte die Hand des Jungen, wie eine Giftschlange, hervor und packte sie am Handgelenk. „Fass mich an und ich versenke dich im Springbrunnen des Innenhofs“, knurrte BlackFog müde und behielt weiter sein Gesicht im Gras versenkt. Im ersten Moment war Maileen ziemlich erschrocken über die schnelle Reaktion und hielt für einen Moment den Atem an. Doch so schnell der Schreck kam, so schnell war er auch wieder vergangen und das Mädchen konnte etwas erleichtert aufatmen. Daraufhin ließ Black ihre Hand los und ließ seinen Arm schlapp wie einen nassen Sack zu Boden fallen. Er war wieder mal ohne Erlaubnis einfach für drei Tage verschwunden, um einfach dem ganzen verdammten und nervigen Trubel um die Schule zu entfliehen. Ständig früh aufstehen, zum stinke langweiligen Unterricht trotten, sich vor den Lehrern ‚benehmen‘, keinen Streit vom Zaune brechen und vor allem lernen. Er konnte sich einfach nicht ewig zusammenreißen und bevor er jemandem alle Glieder brach, haute Black lieber einfach ab. Das war für alle das Beste, wenn er sich dadurch auch immer nur Ärger einheimste. Denn er hatte schon zu genüge Fehlstunden und es wäre ehrlich gesagt ein absolutes Wunder, wenn er es schaffen würde all das Versäumte bis zu den Prüfungen nachzuholen.
Seufzend über diese Erkenntnis drehte sich der Junge auf den Rücken und zupfte sofort seinen Schal zurecht, den er sogar im Sommer anbehielt. Er musste ja immerhin sein Gesicht irgendwie verdecken können. Im Grunde machte er das nur, zum einen, damit er auf die anderen etwas unheimlich wirkte und zum anderen, um beim Sprechen seine spitzen Eckzähne zu verbergen. Dadurch würde man nur umso mehr bemerken, dass sein Körper nicht mehr ganz menschlich war.
Das schöne an Maileen war, dass sie einen wirklich in Ruhe ließ, wenn man es ihr sagte. Somit konnte Black ungestört langsam zur Schwelle der Träume hinübergleiten. Nicht wie bei Kokoro, da sie meist in Begleitung ihres ach so tollen Freundes Xardas war und dieser Fog immer wieder reizte und es zwischen beiden stets zu einer wüsten Kailerei kam. Welch Erholung das doch sein konnte. Diese Ruhe…
„Ah Maileen, da bist du ja!“, ertönte es plötzlich aus der Ferne und die Ruhe war von einem Schlag zum anderen vergangen. Akantra kam ziemlich aufgeregt auf die Elfe zu gelaufen und schien ziemlich durch den Wind zu sein. Verwirrt blickte das Mädchen wieder von ihren Schulsachen auf und erwartete die Schulleiterin. Black dagegen versuchte sie vehement zu ignorieren.
Akantra war derweil endlich bei den beiden Schülern angekommen und sah überrascht zu Fog. Hier war also dieser kleine Ausreißer. Was sollte sie nur mit diesem Jungen machen. Er bereitete ihr von Tag zu Tag immer mehr Sorgen. Aber heute war es wirklich wunderbar, dass sie ihn hier gleich bei Maileen fand. „Ein Glück seit sogar ihr beide hier“, begann die Cetra und strich sich völlig außer Atem durch die Haare. Oh nein… sie hatte sie beide gesucht, dass konnte ja nichts Gutes heißen, schoss es Black durch den Kopf und er drehte sich demonstrativ von Akantra weg.
„Was ist denn passiert Akantra?“, fragte schließlich die Elfe und legte abermals ihre Schulsachen beiseite. Heute war hier aber was los…
Bevor die Schulleiterin zur Tat schritt und die Situation erklärte, holte sie einige male tief Luft und begann schließlich: „Ihr wisst ja, dass ich Kokoro und Xardas auf die Reise geschickt habe, um einen Talisman in ein Dorf zu bringen. Nur haben die beiden leider den Falschen mitgenommen!“ „Das sieht Xardas wieder typisch, dass er so blöd ist und den Falschen mitnimmt“, grummelte schließlich Fog vor sich her und grinste innerlich hämisch darüber. „Das kann ja sein, aber das würde Kokoro wiederum nicht ähnlich sehen“, fügte Maileen hinzu und sah zu Akantra hinauf, die dem Mädchen zustimmte indem sie nickte. „Das stimmt auch, beide trifft keine Schuld, da ich ihnen ausversehen den falschen Talisman mitgegeben habe…“, gestand die Schulleiterin schließlich sichtlich beschämt und holte ein kleines Säckchen hervor, in dem sich das besagte Schmuckstück befand.
Durch das ganze Gerede war Black nun endgültig wach, setzte sich schließlich auf und betrachtete skeptisch zuerst das Säckchen und dann Akantra. Das war wiederum verdammt typisch für dieses Weib. Wie konnte nur solch eine, verwirrt und stets im Kopf durcheinander, Schulleiterin einer solch großen Schule werden?
„Ach herje, das ist überhaupt nicht gut“, antwortete Maileen und sah nachdenklich vor sich her, „aber was sollen wir denn machen? Kokoro und Xardas sind schon seit einigen Tagen unterwegs… Wir könnten einen Seelenvogel mit einer Nachricht losschicken!“
Black musste über diesen Vorschlag plötzlich lauthals loslachen. „Wie stellst du dir das bitte vor? Schickst die Nachricht los und die beiden sollen wieder umkehren? Das kostet doch nur Zeit und vor allem Nerven“, beteiligte er sich an dem Gespräch und schmunzelte weiter unter seinem Schal. Maileen dagegen betrachtete ihn leicht beleidigt und sah schließlich wieder zur Schulleiterin. „Ich muss BlackFog da leider zustimmen… sie wieder zurückkehren lassen, wäre eine schlechte Idee. Daher bin ich auch hier hergekommen. Ich beauftrage euch damit, dass ihr den beiden folgt und mit ihnen zusammen diesen Talisman im Dorf abliefert!“, unterbreitete Akantra das Unterfangen und wartete die Reaktionen der beiden Schüler ab. Im Grunde kam Black dieser Vorschlag wie ein Geschenk des Himmels entgegen, wäre da nicht dieser klitzekleine Haken namens Maileen Erolfín gewesen. Mit ihr am Hals würde es sicher ziemlich stressig werden und er könnte nicht die Nächte durchlaufen, so wie er es stehts tat, wenn er alleine unterwegs war. Somit musste er Rücksicht auf das Weib nehmen. „Muss ich sie wirklich mitnehmen?“, platze er schließlich heraus und deutete abfällig auf die Elfe, „kann ich nicht einfach ohne sie losziehen? Da bin ich sicher schneller bei denen, als wenn ich sie wie einen Klotz am Bein hängen habe!“ „Bitte was!?“, empörte sich Maileen und schmollte nun sehr offensichtlich, „Ich bin gut genug, um mit dir locker Schritt zu halten. Glaub ja nicht, dass du, nur weil du ein Windmagier bist, schneller bist als ich! Und außerdem können wir doch genauso Xardas‘ Drachen fragen, ob er uns zu ihnen fliegt!“ „Pah nicht mal wenn ich auf einer untergehenden Insel und er meine letzte Rettung wäre, würde ich auf dieses Vieh steigen. Und er würde mich sicherlich auch nicht freiwillig auf seinen Rücken lassen. So wie ich Xardas kenne, hat er das diesem Schoßhund mit Schuppen eingebläut!“, entgegnete Black gereizt und stellte sich gegen Maileens Vorschläge völlig quer. „Hört auf ihr Beiden!“, ging schließlich Akantra dazwischen und seufzte laut auf. „Black… du kannst nicht alleine losziehen. Das Gebiet, in das ich euch leider schicken muss, ist äußerst gefährlich, da sich dort seit kurzem Orks aufhalten und Maileen… mit dem Drachen wärt ihr viel zu auffällig. Ihr würdet euch alle dadurch nur unnötig in Gefahr begeben. Denn Orks sind leicht im Stande einen Drachen zu erlegen. Daher müsst ihr BEIDE und zu Fuß losziehen und was Kokoro und Xardas betrifft, so habe ich ihnen bereits eine Nachricht zukommen lassen und noch etwas… um ihren Aufenthaltsort richtig bestimmen zu können, habe ich Kokoro bereits einen magischen Ortstein mitgegeben. Eigentlich nur aus reiner Vorsicht, falls sie mal in Schwierigkeiten geraten sollte. Euch werde ich ebenfalls einen geben, der auf den anderen gepolt ist. Das heißt, dass ihr sie damit ohne Orientierungsprobleme finden könnt“, klärte Akantra die beiden auf und holte aus ihrer Tasche einen handgroßen, grüngelblich schimmernden Stein hervor.
~Rache, süße ewige Rache~
~Beraubt um das Licht, als wäre ich selbst die Finsternis, tatsächlich bin ich die Finsternis!~